Sicherheitsmentalität auf deutschen Arbeitsplätzen: Ein geteiltes Bild laut neuer Umfrage

Köln – Während fast 68 Prozent der Befragten glauben, dass ihr Betrieb in Sachen Sicherheitskultur ordentlich aufgestellt ist, sieht rund ein Drittel hier noch deutlichen Nachholbedarf. Laut einer aktuellen Civey-Befragung im Auftrag des TÜV Rheinland gehören mangelnde Akzeptanz von Sicherheitsmaßnahmen, zunehmender psychischer Druck und kulturelle Unterschiede zu den größten Hürden für gelebte Arbeitssicherheit in deutschen Unternehmen.

heute 12:05 Uhr | 2 mal gelesen

Führungskräfte in der Pflicht

Ein Viertel der teilnehmenden Fachleute nahm wahr, dass das eigene Management keine echte Vorbildrolle einnimmt, wenn es um Sicherheitsfragen geht. Hinzu kommen Herausforderungen durch die alternde Belegschaft (demografischer Wandel, knapp 18 Prozent) und neue Arbeitsweisen wie Homeoffice oder flexible Arbeitszeitmodelle (etwa 16 Prozent).

Wichtigkeit von Empathie und Achtsamkeit

Gefragt nach besonders drängenden Themen, sehen viele Fachkräfte die Sensibilisierung der Kolleg*innen (rund 45 Prozent), den Umgang mit psychischer Belastung (gut 43 Prozent) sowie die Pflege einer echten Sicherheitskultur als wichtigste Themen. Erst nachgeordnet erscheinen Themen wie Gesetzesänderungen (ca. 26 Prozent), technische Neuerungen (z.B. Digitalisierung und KI, etwa 17 Prozent) und die Knappheit an Präventionspersonal (fast 14 Prozent).

Perspektivwechsel im Arbeitsschutz

Dr. Ludwig Brands vom TÜV Rheinland fasst es pointiert: Man müsse den Blick weg von reiner Technik und Papierregeln hin zum tatsächlichen Miteinander am Arbeitsplatz lenken. Entscheidend sei, wie ernst es den Führungskräften mit Sicherheit ist, und ob psychische Risiken wirklich als Teil des Themas Arbeitsschutz verstanden werden – nicht bloß als Anhang. Die eigentliche Aufgabe liege darin, aus Sicherheitskultur ein natürliches Selbstverständnis zu machen, nicht ein weiteres Regelwerk zum Abhaken.

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So lief die Befragung ab

Das Meinungsforschungsinstitut Civey befragte zwischen 5. und 15. Februar 2026 insgesamt 1.000 Sicherheitsfachkräfte quer durch Deutschland digital. Dank statistischer Verfahren gilt das Ergebnis als repräsentativ, bei einer Fehlertoleranz von ca. 6 Prozent. Der Fokus lag eindeutig auf den subjektiven Einschätzungen der beteiligten Personen.

Der TÜV Rheinland prüft, zertifiziert und begleitet weltweit und steht seit eineinhalb Jahrhunderten für technische Sicherheit – heute mit über 27.000 Mitarbeitenden in 50 Ländern. Besonderer Fokus: Die Begleitung moderner Technologien (z.B. KI, Wasserstoff, automatisiertes Fahren) und nachhaltiger Entwicklungen. Das Unternehmen mit Sitz in Köln ist seit 2006 Teil des UN Global Compact.

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Die Umfrage bei 1.000 deutschen Sicherheitsfachkräften zeigt: Obwohl eine deutliche Mehrheit die eigene Sicherheitskultur positiv bewertet, finden viele Befragte erhebliche Schwächen – vor allem bei real gelebter Alltagskultur, psychischer Belastung und der aktiven Rolle der Führungsetage. Besonders ins Auge fallen neben der Technik menschliche Faktoren: Kommunikation, Sensibilisierung für Risiken und die Fähigkeit der Chefs, tatsächlich Vorbilder zu sein. Interessanterweise hat sich in den letzten zwei Jahren die Wahrnehmung psychischer Belastungen als Sicherheitsfaktor verstärkt, ebenso wie Diskussionen um Diversität beziehungsweise kulturelle Unterschiede im Betrieb. Ergänzend dazu zeigen aktuelle Berichte in deutschen Leitmedien, dass gerade hybride Arbeitsmodelle, Homeoffice und die Digitalisierung neue Herausforderungen für Sicherheitskultur, Teamzusammenhalt und mentale Gesundheit darstellen. Die Welt diskutiert, ob bisherige Konzepte rund um Arbeitssicherheit ausreichen: Während die gesetzliche Regelung immer wieder nachjustiert wird, entstehen neue, praxisnahe Maßnahmen wie Resilienz-Trainings, Team-Workshops und anonyme Beschwerdewege. Sowohl Gewerkschaften als auch Berufsgenossenschaften drängen zunehmend darauf, psychische Gesundheit mindestens gleichwertig neben den klassischen 'harten Gefahren' zu stellen.

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