Spahn zur Grönland-Debatte: Europas Abhängigkeit von den USA bleibt unterschätzt

Jens Spahn, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, mahnt: Im Diskurs um Grönland rückt das tatsächliche Kräfteverhältnis Europas zu den USA in den Hintergrund. 'Wir sind aktuell nicht in der Lage, unsere Sicherheit eigenständig zu garantieren', betont Spahn gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

heute 11:23 Uhr | 5 mal gelesen

Spahn gibt zu bedenken, dass bei dieser Diskussion oft eine moralisch aufgeladene Haltung eingenommen wird, die von der wirklichen Durchsetzungsfähigkeit Europas ablenkt. Er wundere sich, wie rasch die NATO auf dem Prüfstand stehe, sobald US-Präsident Trump mit ernsthaften Forderungen aufwarte – wie jüngst von Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen befürchtet. Spahn fragt sich, ob es angesichts der europäischen Abhängigkeit von den USA überhaupt ratsam sei, die Debatte in der derzeitigen Zuspitzung zu führen. Seine Antwort: sicherlich nicht. Gehe man die geostrategische Lage Grönlands nüchtern durch, ließen sich die Sorgen der USA durchaus verstehen, fügt Spahn an. Ob Trump inhaltlich einen berechtigten Hinweis gibt? Es gehe, so Spahn, letztlich um die Frage, ob NATO und Europa ausreichend darauf vorbereitet sind, diese immer relevanter werdende Insel auch gegenüber anderen Großmächten – etwa Russland – zu sichern. In dieser Hinsicht räumt er Trump einen wahren Kern ein.

Jens Spahn wirft in der Diskussion um Grönland Europas mangelnde Wehrhaftigkeit und die starke sicherheitspolitische Abhängigkeit von den USA ins Feld und warnt davor, die Debatte auf moralische Reflexe zu verengen. Sein Hinweis: Die geostrategische Bedeutung Grönlands, insbesondere vor dem Hintergrund globaler Konkurrenz durch Russland und China, sei nachvollziehbar ein US-amerikanisches Anliegen – und Europa betreffe das mittelbar genauso, solange es nicht selbstständiger agiert. Zunehmend steht die Frage im Raum, inwiefern die NATO bestehen kann, wenn die USA als Schutzmacht ihre Rolle künftig relativieren.

Weitere Recherche hat ergeben: Tatsächlich nehmen die Spannungen rund um die militärstrategische Bedeutung des arktischen Raums im Kontext der globalen Machtverschiebungen zu. Die aktuelle sicherheitspolitische Diskussion wird zudem von neuen US-Investitionen auf Grönland flankiert sowie von wachsenden chinesischen und russischen Interessen in der Region. Mehrere Expert:innen fordern ein stärkeres europäisches Engagement und mahnen, dass die Abhängigkeit von den USA nicht noch weiter steigen dürfte.

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