Sprachlosigkeit nach Missbrauch – Ein Podcast beleuchtet strukturelle Fehlstellen an Schulen
Berlin – Sexualisierte Übergriffe an Schulen bleiben oft unerkannt. Gerade dort, wo Jugendliche sich sicher fühlen sollten, fehlt es an Schutz und Konsequenz. Im Podcast ‚Die Lieblingsschülerin‘ erzählen drei junge Frauen, wie ihre Lehrer ihre Macht missbrauchten – und wie lange es dauerte, diesen Erfahrungen Worte zu geben. Der Podcast öffnet nicht nur persönliche, sondern auch systemische Abgründe: Es geht um Verantwortung, Schweigen und die Frage, wie Schule endlich ein Ort wird, an dem Nähe nicht ausgenutzt wird.
heute 11:50 Uhr | 1 mal gelesen
Marie, Hannah und Zoe (die eigentlichen Namen bleiben aus Selbstschutz verborgen) besuchen verschiedene Schulen in Deutschland, als sie – jede auf ihre eigene Art – in eine verhängnisvolle Nähe zu ihren Lehrern geraten. Anfangs wirkt alles wie harmlose Aufmerksamkeit: Nachrichten auf dem Handy, private E-Mails, Trost, vermeintliches Verständnis. Doch dahinter verbirgt sich 'Grooming', also gezielte Annäherung mit sexuellem Begehren. Im Podcast berichtet die Journalistin Britta Rotsch, wie sich die Geschichten der drei jungen Frauen entfalten – wie sie lange dachten, sie seien besonders oder einfach stärkere Bindungen zu den Lehrern hätten. Es kommen Eltern, Schulleitungen, Juristinnen, andere Lehrer und Jugendschutz-Expertinnen zu Wort. Das wirklich Erschreckende – und irgendwie auch Typische – ist, dass die betroffenen Lehrer oft nicht zur Rechenschaft gezogen werden, sondern einfach nur ihre Schule wechseln müssen. Der Podcast beschreibt, wie schwer es noch immer fällt, diese Grenzverletzungen offen zu besprechen, und beleuchtet, was Einzelne wie ganze Schulsysteme tun könnten, damit der Schulalltag für alle sicherer wird. 'Die Lieblingsschülerin' ist seit dem 26. Februar überall verfügbar. Wer mag, findet weitere Infos unter
www.deutschlandfunk.de/die-lieblingsschuelerin-100.html.
Der Podcast 'Die Lieblingsschülerin' legt mit den Geschichten von Marie, Hannah und Zoe offen, wie sexualisierte Gewalt an Schulen systematisch verharmlost wird und Täter oft ungestraft bleiben. Die journalistische Recherche verdeutlicht, dass strukturelle Schwächen im Schulbetrieb – wie unklare Verantwortlichkeiten, fehlende Fortbildungen und ein mangelndes Bewusstsein für Grenzüberschreitungen – Missbrauch begünstigen können. Recherchen aus der letzten Woche zeigen zudem, dass das Thema Missbrauch an Schulen in Deutschland vermehrt diskutiert wird: Laut einem aktuellen Bericht auf ZEIT Online fordern Schulleitungen und Politik klarere Meldewege und stärkere Präventionsmaßnahmen. Die Süddeutsche Zeitung betont, dass viele Lehrkräfte sich mit dem Thema überfordert fühlen und Angst vor falschen Verdächtigungen haben, wodurch fundierte Aufklärung ausbleibt. Ein Artikel auf FAZ.net hebt hervor, dass betroffene SchülerInnen oft Jahre brauchen, um über das Erlebte zu sprechen – und Schulen dringend verlässliche Anlaufstellen sowie psychologische Begleitung benötigen.