Sprunghafter Anstieg: Pflege verschlingt ein Viertel der Gesundheitsausgaben

Die Kosten für Pflegeleistungen haben sich in den letzten zehn Jahren viel rasanter entwickelt als die Gesamtausgaben im deutschen Gesundheitssektor. Laut aktueller Statistik ist ihr Anteil an den Gesundheitskosten seit 2014 besonders deutlich angestiegen.

heute 08:57 Uhr | 4 mal gelesen

Im Jahr 2014 lag der Betrag, den Deutschland für pflegerische Unterstützung ausgegeben hat, noch bei 65 Milliarden Euro. Zehn Jahre und viele gesellschaftliche Veränderungen später steht diese Summe nun mit 135,9 Milliarden Euro plötzlich in einer ganz anderen Dimension – ziemlich genau das Doppelte, oder um es etwas genauer zu sagen: ein Zuwachs von gut 109 Prozent. Mit anderen Worten: 2024 fließt heute mehr als jeder vierte Euro (25,3 Prozent) aus dem Topf für das Gesundheitswesen in pflegerische Leistungen, so berechnete das Statistische Bundesamt. Damals, im Jahr 2014, war es noch knapp ein Fünftel gewesen (19,8 Prozent) – ausgehend von insgesamt 327,7 Milliarden Euro, die der Gesundheitsbereich damals verschlang. Aber woran liegt das? Zum Teil an gesetzlichen Veränderungen, etwa dem aufgerüsteten Pflegebedürftigkeitsbegriff von 2017, teils an steigendem Lohnniveau im Sektor, und nicht zuletzt am klaren Fakt: Die Gesellschaft altert. In diese Kategorie fallen ambulante wie auch stationäre Pflege, ob im Krankenhaus, Seniorenheim oder Zuhause durch Angehörige und Dienstleister. Wenn man daneben blickt: Die Gesamtausgaben für Gesundheit beliefen sich 2024 auf 538,2 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 64 Prozent gegenüber 2014 – dem Zuwachs bei der Pflege kann dieser Wert allerdings nicht das Wasser reichen. Interessant am Rande: Ärztliche Leistungen sind mit 23,6 Prozent an den Gesamtausgaben selbst knapp hinter der Pflege zurückgefallen. Deren Kosten stiegen immerhin um knapp 46 Prozent. Medikamente? Die schlagen inzwischen mit 15,8 Prozent zu Buche, ihr Kostenwachstum lag zuletzt bei stolzen 67,5 Prozent.

Die Pflege treibt seit Jahren die Kosten im Gesundheitswesen spürbar nach oben – ein Trend, der sich, so gut wie alle aktuellen Analysen zeigen, eher noch verstärken dürfte. Hauptgründe: die immer ältere Bevölkerung, strukturelle Reformen wie das neue Begutachtungssystem ab 2017 und steigende Lohnkosten, speziell in den Pflegeberufen. Hinzu kommen, so berichten Medien wie die Süddeutsche Zeitung und der Spiegel aktuell, Engpässe beim Pflegepersonal und eine wachsende Verschiebung von medizinischer Behandlung zu anhaltender Versorgung, die für die Kostendynamik entscheidend ist. Laut Informationen der Deutschen Welle wird in politischen und gesellschaftlichen Kreisen inzwischen kontrovers diskutiert, wie die Finanzierung weiter tragbar bleibt. Einige Quellen sprechen bereits von einer drohenden Beitragssteigerung bei der Pflegeversicherung oder einer stärkeren Einbindung privater sowie familiärer Pflege modelle. Insgesamt steht das deutsche Pflegesystem an einer Art Weggabelung: Es muss innovativer und effizienter werden, wenn es dem finanziellen Druck dauerhaft standhalten will.

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