Vom frisch gekürten FDP-Chef fordert Strack-Zimmermann jetzt eine kleine Auszeit: Wer wirklich an den Erfolg der Partei glaube, solle 'unbedingt mal abschalten, ein paar Stunden pausieren, und rechtzeitig schlafen gehen.' Was zunächst fast beiläufig klingt, ist eigentlich ein Seitenhieb auf den aufgeheizten Zustand der Partei – und darauf, dass Führungsstärke eben auch innere Ruhe braucht.
Strack-Zimmermann hatte beim Bundesparteitag in Berlin am Samstag überraschend eine Kampfkandidatur hingelegt; der Mut dazu wurde immerhin mit 40 Prozent der Stimmen belohnt, was sehr viel ist für einen Blitzstart ohne große Vorlaufzeit. 'Wäre ich eher aufgesprungen, hätte vielleicht noch mehr rausgeholt werden können – aber mir ging es in erster Linie darum, dass es überhaupt eine Wahlmöglichkeit gibt', resümiert sie. Für sie sei das klare Zeichen: Die FDP ist kein monolithischer Block, sondern eine Partei mit unterschiedlich geprägten Strömungen. Jetzt müsse das neue Präsidium versuchen, aus all dem ein gemeinsames Ganzes zu machen.
Interessant war für die 68-Jährige, wie ihre Rede plötzlich als "linksliberal" eingeordnet wurde – was sie irritierte. "Wenn das jetzt schon als linksliberal durchgeht, zeigt das nur, wie sehr sich das politische Zentrum verschoben hat." Sie positioniert sich selbstbescheiden: Nicht links, sondern in einer Mitte, die nach rechts ganz schön viel Platz hat.
Im eigentlichen Kern spiegelt der Schlagabtausch innerhalb der FDP eine Partei wider, die momentan auslotet, in welche Richtung sie steuern will. Strack-Zimmermanns Reaktion auf Kubickis Kritik zeigt sowohl Routine als auch die Fähigkeit, in aufgeheizten Situationen Ruhe und Ironie zu bewahren – ein Stilmittel, das manchem vielleicht fehlt. Es ist bezeichnend, dass bei diesem Parteitag unterschiedliche politische Strömungen sich so offen zeigen: Allein die Einordnung von Strack-Zimmermann als 'linksliberal' verdeutlicht, wie beweglich die politische Mitte geworden ist. Außerdem beraten die FDP-Spitzen derzeit, wie sie mit diesem Ruf nach mehr echter liberaler Debatte umgehen – insbesondere nach dem schlechten Abschneiden bei der Europawahl, das Themen wie Migration oder Wirtschaft deutlicher auf die Agenda gebracht hat. Interessanterweise berichtet unter anderem die Süddeutsche, dass innerparteiliche Fliehkräfte schon länger brodeln und nun, mit dieser Kampfkandidatur, erstmals glänzend sichtbar geworden sind: Perspektivenvielfalt versus einheitsstiftender Liberalismus. Die Debatte, welches Profil die FDP braucht, scheint also noch längst nicht abgeschlossen. Strack-Zimmermanns Gelassenheit wird von vielen als Zeichen dafür gewertet, dass Veränderung nicht in lauten Tönen, sondern mit kluger Selbstreflexion beginnt.