Streikwelle legt öffentlichen Nahverkehr in weiten Teilen Deutschlands lahm

Montagmorgen herrscht in zahlreichen Städten Stillstand – Verdi zieht fast überall die Notbremse und setzt mit Streiks den Nahverkehr unter Druck.

heute 06:34 Uhr | 4 mal gelesen

Montage sind ohnehin selten beliebt – und ausgerechnet heute bleibt für viele Pendler der Bus oder die Bahn stehen. Hintergrund ist der bundesweite Streik im kommunalen Nahverkehr, den die Gewerkschaft Verdi angesetzt hat. Allerdings: Rund 5.000 Mitarbeitende in Niedersachsen sind diesmal außen vor, wegen einer laufenden Friedenspflicht. Schon ab den frühen Morgenstunden herrscht in den Depots vielerorts Betriebsamkeit – allerdings ohne die üblichen Abfahrten. Die Forderungen von Verdi sind dabei kein Pappenstiel: Weniger Stunden pro Woche, längere Pausen zwischen den Schichten und spürbar mehr Geld, besonders für Dienste nachts und am Wochenende. Zusätzlich verlangen die Beschäftigten Abfederungen gegen die Belastungen der ständigen Schichtarbeit. Besonders in Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hochbahn in Hamburg geht’s zudem auch ums Grundgehalt. Insgesamt sind fast 100.000 Menschen von den Forderungen betroffen. Die Fronten zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern wirken derzeit ziemlich verhärtet – Verdi wirft der anderen Seite vor, fast jede Verbesserung abzublocken, statt Lösungen zu suchen. Das alles trifft nicht nur die Beschäftigten selbst: Für etliche Menschen wird der Weg zur Arbeit oder zur Schule heute zur logistischen Herausforderung.

Der bundesweite Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr sorgt seit Montagmorgen für massive Einschränkungen und weitreichende Auswirkungen auf den Alltag hunderttausender Menschen in Deutschland. Die Kernforderungen der Gewerkschaft Verdi – darunter eine kürzere Wochenarbeitszeit, länger garantierte Ruhezeiten und stärkere Zulagen für Nacht- und Wochenendarbeit – werden nach Ansicht vieler Beschäftigter durch die Arbeitgeberseite bisher kaum oder gar nicht berücksichtigt; im Gegenteil, mitunter wurden sogar Verschlechterungen vorgeschlagen. In einigen Regionen steht parallel die Forderung nach höheren Gehältern im Raum, weshalb die Streiks besonders heftig ausfallen – gerade angesichts von Fachkräftemangel, wachsendem Unmut über den Zustand des ÖPNV und der politischen Erwartungen an eine Verkehrswende wird die aktuelle Auseinandersetzung zum gesellschaftlichen Streitthema. Zu ergänzen ist, dass der Deutsche Städtetag und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen vor den Folgen für die Klimaziele warnen und die Bundesregierung auffordern, die Finanzierung des Nahverkehrs nachhaltiger zu gestalten. Während soziale Medien am Morgen mit Berichten über nachfüllende Fahrradparkplätze und überfüllte Straßen füllen, wächst der öffentliche Druck auf Bund und Länder, den Nahverkehr langfristig attraktiver und zuverlässiger zu machen.

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