Manchmal frage ich mich wirklich, wie viel Gestaltungsspielraum Unternehmen noch haben, wenn direkt nach der Pandemie schon wieder neue Forderungen kommen – diesmal von ver.di an die CineStar-Gruppe. Am 5. Februar 2026 startete die neue Tarifrunde, und der Knoten platzte prompt: Zwischen 23 und 32 Prozent mehr Lohn für Servicekräfte, dazu nahezu eine Verdopplung der Jahressonderzahlung. Das klingt für die betroffenen Mitarbeitenden sicher gut, aber CineStar selbst sieht das ganz anders. Geschäftsführer Oliver Fock beschreibt die Lage als wackelig: Noch hängt die Kinobranche vielfach durch, die Besucherzahlen liegen unter Vorkrisenniveau, und die Betriebskosten jagen von Rekord zu Rekord. Parallel entstehen Investitionsstaus, die dringend angegangen werden müssten – Stühle knarzen, Technik veraltet, das Publikum ist wählerisch wie nie zuvor.
Strohmenger, ebenfalls Geschäftsführer, hält die ver.di-Argumentation für zumindest verzerrt. Die Förderung soll Altersarmut verhindern? Mag sein, aber die meisten Servicekräfte jobben nebenbei und bleiben nur ein paar Jahre, so das Gegenargument. Hier dreht sich vieles ums Niedriglohnsegment, nicht um Lebensarbeitsplätze. Natürlich ringt man da um Perspektiven: Wer verdient wofür, für wie lange – und was ist ein fairer Ausgleich zwischen Gestern (Pandemie), Heute (hohe Kosten) und Morgen (unsichere Rückkehr der Besucher)?
Im Prinzip fordern beide Seiten Verständigung, aber wie diese aussehen kann, bleibt offen. Sicher ist: Ver.di muss wohl an einen neuen Verhandlungstisch zurückkehren, und CineStar wird weiterhin um jeden Euro feilschen – im Schatten eines unsicheren Marktes, der noch immer an seiner eigenen Identität feilt.
Ach ja, CineStar: das sind immerhin 44 Kinos, vom Multiplex bis zum Programmkino, rundherum verteilt in Deutschland; und wenn es nach Unternehmenssicht geht, ist das mehr Verantwortung, als bloß Löhne auszuhandeln. Dass dabei der Ton rauer wird – wenig überraschend in diesen Zeiten.
Der Tarifkonflikt zwischen der CineStar-Gruppe und ver.di spitzt sich zu, nachdem die Gewerkschaft deutliche Gehaltserhöhungen für Servicekräfte und eine massive Ausweitung der Jahressonderzahlung gefordert hat, was CineStar als wirtschaftlich untragbar ansieht. Die Unternehmensführung verweist auf die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, steigende Betriebskosten und einen anhaltenden Mangel an Zuschauern, während ver.di die soziale Verantwortung betont und auf die Situation vieler prekär Beschäftigter aufmerksam macht. Branchenübergreifend kommt es aktuell verstärkt zu Tarifauseinandersetzungen im Dienstleistungssektor in Deutschland, häufig ausgelöst durch Inflation, gestiegene Lebenshaltungskosten und den Wandel am Arbeitsmarkt – so etwa auch bei Lieferdiensten, dem Einzelhandel und der Deutschen Bahn, wo die Verhandlungslage teils ähnlich festgefahren ist; immer wieder wird deutlich, wie groß die Kluft zwischen den finanziellen Möglichkeiten der Unternehmen und den Erwartungen der Beschäftigten inzwischen geworden ist.