Traditionelle Karrieren verlieren an Reiz – Wandel der Arbeitswelt beschleunigt

Eschborn – Ist das altbekannte Modell des stufenweisen Aufstiegs in Unternehmen ein Auslaufmodell? Immer mehr Menschen scheinen diesen Weg zu hinterfragen und neue Lebens- und Arbeitsentwürfe zu bevorzugen. Das aktuelle Randstad Arbeitsbarometer gibt Einblick, wie Beschäftigte zu klassischen und modernen Karrierevorstellungen stehen.

heute 11:24 Uhr | 3 mal gelesen

Interessanterweise entscheiden sich immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegen den gewohnten linearen Berufsweg und suchen lieber nach vielfältigen Job-Erfahrungen – das sogenannte Portfolio-Arbeiten. Laut Umfrage sind zwar 56 Prozent der deutschen Beschäftigten in einer klassischen Vollzeitstelle tätig, aber nur ein Drittel würde diese Form im Idealfall wählen. 10 Prozent hätten lieber den Weg in die Selbstständigkeit eingeschlagen, während 12 Prozent gern nebenher einen Nebenjob hätten – was in der Realität zurzeit nur 3 Prozent tun. Laut Verena Menne, HR-Leiterin bei Randstad Deutschland, geraten klassische Aufstiegspfade in Unternehmen immer mehr ins Hintertreffen. Auch wegen finanziellen Drucks – steigende Lebenshaltungskosten lassen viele nach flexibleren oder parallelen Einkommensquellen suchen. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, individuelle Entwicklungsmöglichkeiten jenseits der traditionellen Führungskarriere zu schaffen. Authentizität und flexible Strukturen gewinnen an Bedeutung: Viele ArbeitnehmerInnen wollen nicht mehr in vorgefertigte Schablonen passen, sondern sich als Individuum entfalten, so das Fazit der Studie. Parallel dazu ist die Work-Life-Balance ein noch wichtigeres Ziel geworden, mittlerweile rangiert sie auf Platz 4 der Prioritäten (vorher Platz 5). Über die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie mehr leisten und motivierter sind, wenn sie „sie selbst sein“ dürfen. Natürlich gibt es Interessenskonflikte – Unternehmen brauchen Strukturen, Mitarbeitende Individualität. Dennoch zeigt sich: Wertschätzung und offene Feedback-Kultur zahlen sich wie eine Langzeit-Investition im Kampf um die besten Fachkräfte aus. Hintergrund: Das Randstad Arbeitsbarometer läuft seit 2003 und sammelt jährlich weltweite Job- und Karriere-Trends in derzeit 35 Ländern. Die Befragung 2026 basiert auf mehr als 27.000 internationalen Teilnehmenden (über 1.000 aus Deutschland), erstmals wurden über 1.200 Arbeitgeber einbezogen. Über 3 Millionen Job-Anzeigen flossen in die Analyse ein. Hinter dem Ganzen steht übrigens Randstad: Ein globaler Personaldienstleister, der sich auf eine breite Palette von Lösungen spezialisiert – von der gewerblich-technischen Zeitarbeit bis hin zu digitalen HR-Tools. Randstad Deutschland hat über 32.000 Mitarbeitende an knapp 440 Standorten. Weltweit vermittelte die Gruppe 2024 rund 1,7 Millionen Menschen und erzielte einen Umsatz von 24,1 Milliarden Euro.

Der Trend weg von traditionellen Karrieremodellen hin zu individuellen und flexiblen Arbeitsbiografien wird in Deutschland immer sichtbarer. Die aktuelle Studie von Randstad unterstreicht, dass klassische Vollzeitstellen und traditionelle Aufstiegskarrieren deutlich an Attraktivität verloren haben; stattdessen wünschen sich viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehr Autonomie, Nebenjobs oder den Sprung in die Selbstständigkeit. Dabei spielt die Work-Life-Balance eine immer entscheidendere Rolle, und Unternehmen stehen unter Zugzwang, ihre Arbeitskulturen und Entwicklungspfade zu überdenken. Aktuelle Recherchen zeigen, dass auch andere Quellen den Wandel bestätigen: Vor allem Digitalisierung, die Verbreitung hybrider Arbeitsmodelle und das gestiegene Bedürfnis nach Flexibilität verändern den deutschen Arbeitsmarkt fundamental. Diskussionen um eine Viertagewoche, das Recht auf Homeoffice oder Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen nehmen dabei stetig zu. Und während Unternehmen versuchen, den kulturellen Spagat zwischen betrieblichen Anforderungen, Kostendruck und Mitarbeiterwünschen zu meistern, werden sogenannte „New Work“-Modelle nicht mehr als kurzzeitiger Trend abgetan, sondern als Teil eines umfassenden gesellschaftlichen Wandels begriffen.

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