ttt – titel thesen temperamente: Identitätssuche, Erinnerungen und kulturelle Diversität am 1. Februar 2026

Am Sonntagabend widmet sich 'ttt – titel thesen temperamente' Menschen, die das Vertraute hinter sich gelassen haben, um Neues, manchmal Unbekanntes zu wagen. Vom Gefühl des Fremdseins, musikalischer Selbsterkenntnis, auf den Spuren deutscher Geschichte bis zur rebellischen Kunstszene – die Sendung präsentiert Porträts kraftvoller Umbrüche.

heute 18:33 Uhr | 1 mal gelesen

Wer rastlos nach einem Zuhause sucht, findet in der Exil-Schriftstellerin Ece Temelkuran eine Seelenverwandte: In 'Nation of Strangers' beschreibt sie, wie sich das Gefühl des Fremdseins manchmal sogar im eigenen Land einstellt. Ihr Weg aus der Türkei nach dem gescheiterten Putsch 2016 führte sie in eine Gemeinschaft entwurzelter Menschen – eine Erfahrung, die mehr Fragen als Antworten bereithielt. Ganz andere Bilder, doch das gleiche Suchen: Benyamin Reich, ein Fotograf zwischen Jerusalem und Berlin, fängt mit seiner Kamera jüdische Identitäten ein und stellt Fragen, die auch seinem eigenen Leben gelten – zwischen religiösen Traditionen und der Freiheit Berlins spinnt er mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen kunstvolle Gegensätze. Tyler Ballgame schien vom Leben abgehängt, bevor er mit Mitte dreißig sein Debütalbum veröffentlichte. Vom Keller seiner Mutter zum Maklerjob nach Kalifornien, fand er dort Verbündete für seine Musikleidenschaft. Sein Album 'For the First Time, Again' klingt nach Aufbruch und Hoffnung – nach Songs für Tage, an denen der Mut fehlt. Peter Keup, einst DDR-Turniertänzer, beschäftigt sich im Film 'Spione unter uns' mit dem Schmerz und den offenen Fragen, die das Spitzelsystem der DDR hinterlassen hat. Er recherchiert seine eigene Familiengeschichte, spricht mit einstigen Stasi-Offizieren – und sucht Wege, mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen. Die Videokünstler Bárbara Wagner und Benjamin de Burca widmen sich in ihrer neuen Arbeit der Musikkultur rund um Frankfurt. In Skatehallen und Punkclubs erforscht ihr Film 'Future of Yesterday' regionale Subkulturen – Teil einer Ausstellung, die globale Verbindungen quer über die Kontinente knüpft. Moderiert wird die Sendung von Siham El-Maimouni, und ab 20 Uhr ist alles auch in der Mediathek abrufbar.

Die aktuelle Ausgabe von 'ttt – titel thesen temperamente' spürt Lebenswegen und künstlerischen Ausdrucksformen nach, die sich zwischen Heimatverlust, kreativer Freiheit und gesellschaftlicher Auseinandersetzung bewegen. Ece Temelkurans Bericht über ihr Exil nach dem Putsch in der Türkei ist nicht nur eine individuelle Geschichte, sondern spiegelt die Erfahrung vieler wider, die im Umbruch sind – ähnliche Töne finden sich in Deutschland derzeit häufig, wie die intensive Debatte über Migration und Zugehörigkeit in den Medien zeigt. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft, aber auch mit gesellschaftlichen und historischen Traumata, prägt noch immer viele Debatten – wie Berichte über Antisemitismus, neue Initiativen gegen das Vergessen des DDR-Unrechts und über aktuelle Kunst- und Musikbewegungen zeigen. Ergänzend fanden sich in den letzten 48 Stunden mehrere Artikel zu verwandten Themen: Im Feuilleton werden erneut Fragen nach Zugehörigkeit und Innerlichkeit diskutiert; Berichte dokumentieren den wachsenden Rückhalt für Projekte zur Aufarbeitung der Ost-West-Geschichte; und kritische Stimmen fordern, Diversität und lokale Kulturszenen stärker zu unterstützen – so lebt das Thema aus 'ttt' auch außerhalb der Sendung weiter.

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