Der Außenminister der Ukraine, Andrij Sybiha, lässt an Deutlichkeit nichts vermissen: In einem Interview zum Jahrestag des russischen Angriffskriegs plädiert er dafür, die Ukraine nicht nur als strategischen Partner, sondern vollwertiges EU-Mitglied zu sehen. Sybiha argumentiert, dass die ukrainischen Streitkräfte über Erfahrungen verfügen, von denen die übrigen europäischen Armeen profitieren könnten – ein Wissen, das sich aus harten Front-Erfahrungen speist. Während Europa noch mit seinen eigenen Bedrohungsperzeptionen ringt, steht die Ukraine längst an vorderster Front; sie, so Sybiha, verschaffe Europa wertvolle Zeit zur Vorbereitung. Die Hilfen aus dem Westen seien im Übrigen keine Einbahnstraße: Militärische und finanzielle Unterstützung stärkten die gemeinsame Verteidigungsfähigkeit – fast, als gäbe es einen verborgenen Kreislauf.
Auffällig offen kritisiert Sybiha, dass in Verhandlungen häufig von Zugeständnissen der Ukraine die Rede ist, während russische Versprechen weniger eingefordert würden. Trotz mehrfacher Vorschläge – wie etwa der Entmilitarisierung des Donbass und wirtschaftlichen Freihandelszonen – stehe der Druck meist nur auf der ukrainischen Seite der Grenze. All dies habe aber auch die Identität, das Selbstvertrauen und den Status der Ukraine im europäischen Kontext geschärft – ein Nebenprodukt des Krieges, das Sybiha beinahe stolz hervorhebt. Was am Ende bleibt, ist ein Appell: Es geht nicht nur um Hoffnung, sondern um greifbare Garantien für Sicherheit und Zugehörigkeit.
Sybiha, frisch im Amt und enger Vertrauter von Präsident Selenskyj, verlangt eine klare Perspektive für den EU-Beitritt, damit die Ukraine nicht zwischen geopolitischen Interessen zerrieben wird. In aktuellen Debatten schlägt er zudem vor, dass die westlichen Partner Russland stärker zu diplomatischen Schritten drängen sollten – wie es laut erfahrenen Diplomaten etwa durch gezielte Sanktionsverschärfungen passieren könnte. Medienberichten zufolge nehmen auch EU-Staaten die Notwendigkeit ukrainischer Erfahrungen ernster, denn angesichts der anhaltenden russischen Offensive sind die militärischen Kenntnisse des Landes ein wertvoller Baustein gemeinsamer europäischer Verteidigung. In den vergangenen Tagen haben mehrere Regierungschefs die Sicherheitspartnerschaft mit der Ukraine bekräftigt und nun rückt auch Brüssel auf dem Weg zu Beitrittsverhandlungen entscheidende Schritte näher. Diskussionen, ob die Ukraine als 'Schutzschild' Europas dient oder sich eine bessere Gleichbehandlung verdient, nehmen weiter Fahrt auf.