Umweltminister fordert: Industrie soll Reinigung von Abwässern finanzieren

Carsten Schneider (SPD), Deutschlands Umweltminister, macht Druck und will, dass Pharma- und Kosmetikunternehmen selbst für die Entfernung ihrer Produktreste aus dem Abwasser zahlen – anstatt alles auf die Verbraucher abzuwälzen.

heute 09:38 Uhr | 3 mal gelesen

„Die Einführung einer vierten Reinigungsstufe in Kläranlagen – das ist wirklich mal ein grundlegender Fortschritt für unsere Flüsse, Seen und auch fürs Grundwasser“, so Schneider gegenüber der Funke-Mediengruppe. Denn diese zusätzliche Klärstufe soll die sogenannten Mikroschadstoffe, also unsichtbare Rückstände etwa aus Medikamenten oder Duschgels, herausfiltern. Jetzt, ab 2025, verlangt eine neue EU-Abwasserrichtlinie, dass große Kläranlagen nachrüsten und diese Rückstände gezielt entfernen. Doch bei der Frage der Kosten scheiden sich die Geister. Während Schneider klar auf die Industrie als Hauptverantwortliche zeigt, gibt es im Europaparlament – speziell bei der EVP – Widerstand dagegen, 80 Prozent der Ausgaben wirklich auf die Hersteller abzuwälzen. Das Umweltministerium arbeite aktuell daran, das Ganze ins deutsche Recht zu gießen, betont Schneider. Aus seiner Sicht soll es dabei bleiben: Wer Stoffe herstellt, die Gewässer belasten, soll deren Säuberung auch bezahlen. Die Alternative, Verbraucher zusätzlich mit Wasserkosten zu belasten, halte er für grundfalsch. Wasser zu verteuern – das sei gesellschaftlich schlicht nicht tragbar. Und: Am Ende haben gerade die Unternehmen oft Spielraum, ihre Produkte besser abbaubar zu gestalten. Schneiders Appell ist damit auch ein Signal an andere EU-Länder: Möglichst schlank, fair abgestimmt – so solle die Umsetzung kommen. Kleine Bemerkung am Rande: Manchmal fragt man sich, warum ausgerechnet bei sauberem Wasser immer noch diskutiert werden muss. Es gibt doch Dinge, bei denen eigentlich alle gewinnen könnten, oder nicht?

Umweltminister Schneider spricht sich entschieden dafür aus, dass die Industrie selbst dafür zahlt, Mikroschadstoffe – also insbesondere Rückstände aus Pharma- und Kosmetikprodukten – aus dem Abwasser zu entfernen. Die neue vierte Reinigungsstufe für große Kläranlagen, wie sie die EU ab 2025 fordert, soll mit etwa 80 Prozent von den Verursachern finanziert werden, was zu Widerstand im Europaparlament führt. Aktuelle Debatten drehen sich vor allem um die Lastenverteilung, wobei Schneider betont, dass eine Verteuerung von Wasser für Verbraucher vermieden werden müsse und die Unternehmen durch umweltfreundlichere Produktentwicklung selbst Einfluss nehmen könnten. Laut aktuellen Berichten werden die geforderte vierte Reinigungsstufe in einigen Regionen bereits erprobt, insbesondere im Rheinland und im Main-Taunus-Gebiet, wo erste Anlagen mit Aktivkohlefiltern oder Ozonierung arbeiten. Expertinnen und Experten warnen, dass selbst innovative Technologien allein wahrscheinlich nicht ausreichen werden, solange weiterhin große Mengen schwer abbaubarer Stoffe in Umlauf gebracht werden – mehr Forschung und gezielte Gesetzgebung bleiben nötig. Innerhalb der EU gibt es noch erheblichen Abstimmungsbedarf, denn einige Staaten setzen andere Prioritäten und warnen vor zu hohen Belastungen für kleinere Hersteller, während Umweltorganisationen die konsequente Umsetzung fordern.

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