Umweltminister Schneider widerspricht Wirtschaftsministerin Reiche beim Methanstreit in der EU

Im aktuellen Disput um die EU-weite Methanregulierung positioniert sich Carsten Schneider (SPD) klar gegen Katharina Reiche (CDU), die für einen Aufschub der neuen Regeln plädiert. Für Schneider ist das keine Lösung, sondern ein Wegducken vor dem Problem.

heute 18:59 Uhr | 2 mal gelesen

„Ich kann nicht mehr so tun, als gäbe es die Methan-Problematik nicht“, so Schneider deutlich im Gespräch mit dem "Handelsblatt". Für ihn ist das Gerede von Verzögerungen kein kluger Pragmatismus, sondern eine Einladung, einfach alles beim Alten zu lassen. Wirtschaftsministerin Reiche sieht das bekanntermaßen anders: Sie will die Fristen der neuen EU-Methanrichtlinien schieben – gestützt von fossilen Exportländern, die meinen, die Anforderungen seien zu hoch und drohen, weniger Gas und Öl in die EU zu verkaufen. Schneider kontert: Überforderung sei ein bequemes Argument. Der Kontinent habe wirtschaftlich den längeren Hebel und solle seine Position auch nutzen, anstatt vor Herausforderungen zurückzuscheuen. Als Kompromiss schlägt die EU-Kommission vor, die strengeren Vorschriften wie geplant an den Start zu bringen, aber vorerst auf Strafen zu verzichten – für Schneider ein tragfähiges Angebot. Die konkrete gesetzliche Umsetzung auf Landesebene liegt dann in seiner Verantwortung. Methan sticht in Sachen Klimaschädlichkeit sogar CO2 aus: Auf ein Jahrhundert betrachtet kann ein Kilo Methan das Klima 28-mal stärker erhitzen als die gleiche Menge Kohlenstoffdioxid. Weshalb viele Forscher sagen: Wer Methan zügig senkt, kann die Klimaerhitzung schneller abmildern als über CO2-Maßnahmen allein. Deshalb haben sich bei der Klimakonferenz 2021 ganze 111 Nationen freiwillig darauf geeinigt, Methan innerhalb eines Jahrzehnts um fast ein Drittel herunterzuschrauben.

Schneider stellt sich gegen eine Verzögerung der EU-Methanverordnung und plädiert dafür, als europäischer Markt klare Standards vorzugeben. Die Kritik von Wirtschaftsministerin Reiche und den Öl- und Gaslieferanten hält Schneider für unbegründet und bezeichnet sie als Ausdruck von Bequemlichkeit. Laut aktuellen Medienberichten, etwa in der Süddeutschen Zeitung (Stand Juni 2024), ist Methan zunehmend in den Fokus der EU-Klimapolitik gerückt, auch weil die Erhebung und Kontrolle der Emissionen bislang lückenhaft war und die neuen Vorschriften einen Paradigmenwechsel bei internationalem Handel mit fossilen Brennstoffen markieren könnten. Die FAZ hebt hervor, dass der Konflikt auch die unterschiedlichen Interessen von Umwelt- und Wirtschaftsressorts widerspiegelt. Bei dw.com wird betont, dass striktere Vorschriften weltweit Nachahmer finden könnten – was insbesondere für große Energieimporteure ein wichtiger Punkt ist. Weiterhin berichten mehrere Quellen, dass der Widerstand einzelner Mitgliedsstaaten und der Druck internationaler Konzerne nicht zu unterschätzen ist; dennoch sehen viele Expert:innen in einer konsequenten Politik einen Hebel für den Kampf gegen die globale Erwärmung.

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