Zwischen Lokalkolorit und digitaler Dominanz: Herausforderungen und Chancen der Lokalmedien – Ein Blick von den 34. Lokalmedientagen in Nürnberg

Lokaljournalismus unter Druck – aber nicht kleinzukriegen: In Nürnberg trafen sich Ende Juni rund 800 Medienschaffende und diskutierten brennende Fragen rund um die Zukunft der lokalen Medienlandschaft. Hitze, Algorithmen und Innovationsdrang prägten die intensiven Tage: Welche Rolle spielen lokale Medien noch, wenn Big Tech mitmischt?

heute 19:00 Uhr | 2 mal gelesen

Das Lokale als gesellschaftliches Fundament?

Beim diesjährigen Branchentreffen hob Dr. Thorsten Schmiege (Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien) gleich zu Beginn hervor, dass lokale Medien in unserer Gesellschaft nicht bloß nettes Beiwerk sind – sie seien vielmehr das Rückgrat der Demokratie. Seine Sorgen galten insbesondere der wachsenden Macht von Konzernen wie Google oder Meta, deren Algorithmen inzwischen entscheiden, was überhaupt noch sichtbar wird: „Was nützen die besten Beiträge, wenn die Macht des Filterns nicht beim Journalismus liegt?“

Ministerpräsident Söder: »Das Lokale erdet«

Auch Bayerns Landesvater Markus Söder gab sich gewohnt lokalpatriotisch und verwies augenzwinkernd auf die „fiebrigen“ Informationsströme aus aller Welt: Das Lokale bringe Erdung, Bodenhaftung. Gleichzeitig will er auf Künstliche Intelligenz als Effizienzbooster setzen, um angesichts knapper Kassen überhaupt mithalten zu können. Ganz ohne Zweifel: Viele Redaktionen fühlen sich von der Entwicklung eher getrieben als getragen.

Von Algorithmen ausgebremst: Journalismus verliert Gatekeeper-Rolle

Klar: Es geht längst nicht mehr nur um Reichweiten, sondern um Sichtbarkeit – selbst gute Geschichten drohen, im Kosmos der globalen Netzwerke unterzugehen. Alexander von Streit (Krautreporter) und Katharina Hamberger (Deutschlandfunk) sprachen offen darüber, dass Medienhäuser Jahrzehnte lang das Monopol der Informationsauswahl hatten – diese Zeiten sind vorbei. Politik kann mittlerweile per Social Media direkt senden; die Journalist:innen stehen plötzlich draußen vor der Tür.

Wettbewerb oder Untergang? Ein Ruf nach neuen Spielregeln

Vor diesem Hintergrund wurde nachdrücklich von Corinna Drumm (Privatsender-Verbandschefin, Österreich) eine kluge Regulierungsstrategie gegenüber Tech-Konzernen gefordert, aber auch mehr Freiraum für den klassischen Rundfunk. Ironie am Rande: Das Radio, das seit Jahrzehnten als Auslaufmodell galt, könnte durch seine lokale Einbindung zum „letzten Massenmedium“ avancieren, wie Falk Zimmermann (Die Neue Welle) meint.

Bindung statt Reichweite – Neue Erfolgsmaßstäbe

Die Zeiten, in denen bloße Quote zählte, sind wohl vorbei: Giulia Cresta (CH Media) sieht zukünftige Stärke im Aufbau echter Hörerloyalität, etwa über Live-Formate und direkte Einbindung der Community. Technik verändert vieles – der Mensch bleibt Mensch, schlussfolgert Keynote-Gast Dave Sturgeon: Entscheidend bleibt, wie lokale Sender ihre Einzigartigkeit ausspielen.

KI ohne Kulturwandel? »Wir denken noch wie 1990«

Der Wandel zur digitalen Redaktion heißt eben nicht: Roboter übernehmen, während alle Kaffee trinken. Alexander Woldrich (Radio Fantasy) bringt’s auf den Punkt: „Wir nutzen Top-Tools, stricken aber oft noch nach alten Mustern.“ Die eigentliche Herausforderung ist der kulturelle Wandel in den Redaktionen selbst.

Preise, Studien, Zahlen

Zum Abschluss gab es Preise und neue Zahlen: Die bayerischen Lokalradios gewinnen täglich über 2,4 Millionen Menschen ab 14 Jahren als Publikum, über 600.000 schauen werktags Lokal-TV. Mit dem Radio Galaxy Award wurde Sängerin Loi ausgezeichnet; zudem wurden Erkenntnisse der „Funkanalyse Bayern“ präsentiert.

Nächstes Jahr ist Nürnberg wieder Treffpunkt der Szene – die Branche bleibt in Bewegung.

Pressekontakt: Beate Hones, presse@medientage.de

Originalquelle: Medien.Bayern GmbH/ots

http://ots.de/602ae1

Die diesjährigen Lokalmedientage in Nürnberg spiegeln das zentrale Dilemma der lokalen Medienbranche wieder: Einerseits gilt Lokaljournalismus weiterhin als Eckpfeiler demokratischer Strukturen, andererseits kämpfen Medienanbieter gegen eine digitale Unsichtbarkeit durch technologische Algorithmen großer Plattformen wie Google oder Meta. Während führende Köpfe wie Dr. Thorsten Schmiege und Markus Söder die immense gesellschaftliche Bedeutung unterstreichen und zugleich einen Wandel im Umgang mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz fordern, bleibt im Alltag vieler Medienhäuser die Diskrepanz zwischen technischen Tools und veralteten Strukturen bestehen. Neuere Berichte unterstreichen zudem, dass die Gefährdung der Pressevielfalt durch Plattformregulierung und politische Desinformation weiter zunimmt – jüngste Artikel in 'Süddeutsche', 'taz' und 'FAZ' betonen, wie schwierig die nachhaltige Finanzierung lokaler Medien inmitten von inflationären Betriebskosten und abnehmenden Werbeeinnahmen geworden ist; zugleich wächst, befeuert durch fast tagesaktuelle Funkanalysen, der Druck zu mehr Transparenz und Innovation, zum Beispiel durch Podcasts, KI-basierte Lokalmeldungen oder starke Community-Einbindung.

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