Union pocht auf schärfere Regeln gegen Vetternwirtschaft im Bundestag

Die Union präsentiert eigene Ansätze, wie Vetternwirtschaft in Parlamentsbüros künftig gestrenger verhindert werden soll – Konkrete Gesetzesideen stehen im Raum.

heute 05:02 Uhr | 4 mal gelesen

Ganz ehrlich: Wer mal genauer hinschaut, wie in deutschen Abgeordnetenbüros Stellen verteilt werden, merkt schnell, warum diese Diskussion gerade so hochkocht. Hendrik Hoppenstedt (CDU) bringt es im Gespräch mit POLITICO auf den Punkt: „Verwandte eines Bundestagsabgeordneten sollten gar nicht mehr in anderen MdB-Büros eingestellt oder über die Mitarbeiterpauschale bezahlt werden.“ Eine kleine, aber entscheidende Schraube an der Gesetzgebung, die große Wirkung haben könnte. Und Hoppenstedt bleibt nicht im Vagen – er plant, bundesweit nach dem bayrischen Muster, also Überkreuz-Beschäftigungen von Familienmitgliedern zwischen Parlamentariern, zu verbieten. Trotzdem will die Union – und das klingt fast nach einer Warnung an die eigene Koalition – „das Kind nicht mit dem Bade ausschütten“: Es soll mit Augenmaß vorgegangen werden. Besonders im Visier: Die „nicht vorstellbare Vetternwirtschaft der AfD“, deshalb müssten klare Konsequenzen folgen. Doch eine perfekte Lösung? Die gibt’s am Ende wohl nicht. Entscheidend, sagt Hoppenstedt, bleibt, dass die Abgeordneten selbst genügend Integrität mitbringen. Ein bitteres, aber ziemlich realistisches Fazit.

Die CDU/CSU-Fraktion fordert angesichts von Skandalen und wachsendem öffentlichem Druck deutliche Verschärfungen im Umgang mit Beschäftigungsverhältnissen von Familienangehörigen und engen Partnern in Bundestagsbüros. Inspiriert vom Bayerischen Landtag, sollen sogenannte 'Überkreuz-Beschäftigungen' – also das gegenseitige Anstellen von Verwandten durch Abgeordnete – verboten werden. Trotz gesetzlicher Nachschärfungen bleibt das Grundproblem menschlicher Anstand und Integrität, wie prominente CDU-Vertreter betonen. Laut taz.de (Stand: 27.06.2024) pochen Abgeordnete zunehmend auf klare Richtlinien, auch um das Ansehen des Parlaments zu schützen, während gleichzeitig diskutiert wird, wie streng diese Kontrollmechanismen ausfallen sollen (Quelle: taz.de). Bei der FAZ (26.06.2024) wird berichtet, dass ähnliche Überlegungen auch in anderen Parteien aufkommen, aber die praktische Umsetzung Hürden birgt – insbesondere im Hinblick auf Arbeitsverhältnisse vor Mandatsantritt (Quelle: FAZ). Die Süddeutsche Zeitung (26.06.2024) hebt hervor, dass der internationale Vergleich zeige, wie häufig nepotistische Praktiken auch in anderen europäischen Parlamenten zu Skandalen führen – und dass Deutschland unter Druck steht, transparenter zu werden (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

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