Abschied vom Papier: Warken plant digitale Medikamenten-Infos

Mit einem bunten Strauß an Gesetzesänderungen will Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) die Bürokratie im Gesundheitssektor entschlacken. Im Zentrum steht dabei die fast flächendeckende Abschaffung der klassischen Papier-Beipackzettel – und das nicht zufällig, sondern als Teil eines größeren EU-Projekts.

heute 04:02 Uhr | 3 mal gelesen

In psychotherapeutischen Praxen könnte sich schon bald Einiges ändern: 'Künftig können nicht nur zwölf, sondern direkt 24 Sitzungen auf einmal verordnet werden', erklärt Warken. Den längst umstrittenen Konsiliarbericht will sie ebenfalls abschaffen – sofern entweder eine Überweisung vorliegt oder es sich um eine Folgebehandlung nach einem Klinikaufenthalt handelt. Auch Ärztinnen und Ärzte sollen profitieren; Wirtschaftlichkeitsprüfungen sollen künftig erst ab 300 Euro greifen, was gut zwei Drittel aller bisherigen Maßnahmen entlastet. Für die Sanitätshäuser schraubt man die Kontrolle zurück, Besuche von Behörden dürfen nur noch bei triftigem Verdacht stattfinden. Im Grunde soll so spürbar mehr Zeit für Patient:innen entstehen – klingt erstmal plausibel.

Vielleicht noch augenfälliger: Der altbekannte, meist ungeachtete Papierbeipackzettel verschwindet. Er soll durch eine digitale Version ersetzt werden – in Folge der neuen EU-Vorgaben. Nach zwei Jahren muss für jedes Medikament eine digitale Packungsbeilage bereitstehen, inklusive Übersetzungs- und Vorlesefunktionen. Ganz verschwinden wird er aber nicht: In der Apotheke kann weiterhin ein Ausdruck verlangt werden. Warken betont, darauf Wert zu legen: 'Wer will, bekommt weiterhin Papier – alle anderen profitieren von mehr Service.'

Apropos profitieren: Die Ministerin gibt sich zwar wachsam, was die Auswirkungen des aktuellen Konflikts zwischen Iran und Israel auf Arzneimittelimporte angeht – besonders da über die stark frequentierte Straße von Hormus viel Grundstoff aus Asien nach Europa gelangt. Längere Umwege und mögliche Preissteigerungen hält sie nicht für ausgeschlossen, sieht aber vorerst keinen Grund zur Sorge: 'Die Medikamentenlager sind aktuell gut gefüllt.' Ein bisschen Unsicherheit schwingt aber doch mit.

Gesundheitsministerin Nina Warken möchte mit ihrem neuen Gesetzespaket nicht nur die Bürokratie im medizinischen Alltag aufbrechen, sondern auch die Digitalisierung weiter vorantreiben – vor allem durch den fast vollständigen Verzicht auf Papierbeipackzettel. Die digitale Variante soll den Informationsfluss verbessern, indem sie mehrsprachige, barrierefreie Features wie Vorlesefunktionen enthält. Der Umstieg folgt dabei nicht allein nationalem Interesse, sondern setzt EU-rechtliche Vorgaben um, nachdem sich die Mitgliedsstaaten auf das umfassende EU-Pharmapaket geeinigt haben. Ergänzende Recherchen etwa bei der Süddeutschen, der FAZ und der ZEIT zeigen, dass sowohl Patientenschutzorganisationen als auch der Apothekerverband den Schritt teils kritisch begleiten – etwa wegen der Gefahr, dass ältere oder technisch weniger versierte Menschen abgehängt werden könnten. Gleichzeitig berichten verschiedene Portale, dass Apotheken sich schon jetzt darauf einstellen, öfter Ausdrucke liefern zu müssen, und fordern, ausreichende Ressourcen für die Umstellung bereitzustellen. Parallel dazu sorgt der anhaltende Konflikt im Nahen Osten für eine latente Unsicherheit im Arzneimittelmarkt, auch wenn die Bundesregierung die aktuellen Lagerbestände als ausreichend bezeichnet.

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