Es seien fast drastische Worte, die der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber im Gespräch mit der 'Frankfurter Rundschau' findet: 'Sie sind drauf und dran, sich als fortschrittliches Land selbst ins Aus zu manövrieren.' Jahrzehntelang galten die USA als das Mekka des wissenschaftlichen Fortschritts, doch dieser sei laut Schellnhuber heute bedroht – er warnt davor, dass Errungenschaften zunehmend privatisiert und die Erträge nur noch wenigen zugutekommen. Besonders beim Thema Energiepolitik zeichnet der Forscher ein düsteres Bild: die Rückbesinnung auf fossile Technologien, so Schellnhuber, diene letztlich profitgierigen Großinvestoren, während die Öffentlichkeit über die tatsächlichen Klimaauswirkungen systematisch im Unklaren gelassen werde.
Der Forscher, der bis 2018 das PIK leitete und aktuell dem IIASA in Laxenburg vorsteht, hält die antiwissenschaftliche Haltung Trumps für einen vermeintlich kurzfristigen Vorteil beim eigenen Wählerstamm; langfristig jedoch könne solches 'Zurück zum Aberglauben' einer modernen Gesellschaft nur schaden. Fast zynisch merkt Schellnhuber an, Trump könnte seinen Anhängern fast jede Absurdität auftischen, sie würden folgen – selbst wenn er die Erde zum 'Super-Big Mac' erklärt.
China hingegen sieht der Klimaforscher klar auf der Überholspur: Das Land setze auf Zukunftstechnologien, von Erneuerbaren Energien bis KI, und übernehme damit die Innovationsführerschaft, wie es einst Amerika tat. Für Europa sei dies aber auch eine Chance, eigene Akzente zu setzen. Die EU solle selbstbewusster auf Partnerschaften mit China bauen – ohne dabei deren Politik kritiklos hinzunehmen – und mit Afrika innovative Allianzen schmieden, etwa im Bereich nachhaltiger Werkstoffe, Agrarwirtschaft oder intelligenter Energiesysteme. Perfekt läuft das freilich nicht immer, aber wer will schon in Perfektion sterben?
Schellnhuber wirft der Trump-Administration vor, mit ihrer Wissenschaftsfeindlichkeit und Rückkehr zu fossilen Energien die USA international ins Abseits zu führen. Während Trump auf kurzfristige Zustimmung seiner Wähler setze und damit dem Fortschritt schade, positioniere sich China mit massiven Investitionen in Technologien als kommende Supermacht in Forschung und Innovation. Die EU sollte diese Verschiebung als Anlass nehmen, ihre Eigenständigkeit zu stärken, gezielt mit China und Afrika kooperieren und nicht nur auf ökonomische, sondern auch auf nachhaltige Entwicklung und gesellschaftlichen Fortschritt setzen.
Zusätzliche Recherchen zeigen, dass beispielsweise auf taz.de aktuell über die politischen Verwerfungen rund um das US-Klimaengagement berichtet wird. Ebenso bestätigen jüngste Artikel auf spiegel.de und zeit.de, dass der Wettbewerb um technologische Führung zwischen den USA und China weiter eskaliert. Mein Blick wanderte dabei noch zu aktuellen Kommentaren auf sueddeutsche.de, wo die Gefahr wachsender wissenschaftlicher Defizite in den USA und Chancen für Europas eigene Innovationsagenda diskutiert werden.