Geht man von den aktuellen Einreichungen für den 'Roland – Deutscher Verwaltungspreis Projektmanagement' aus, muss man sein Bild von Verwaltung gründlich überdenken. Beim Zukunftskongress in Berlin zeichnete sich am 9. Juni 2026 ein Bild ab, das wenig mit trägen Strukturen, sondern viel mit Gestaltungswillen und Mut zum Experiment gemein hat. Projekte aus allen Ebenen – Kommunen, Länder wie Bund – zeigen, wie Digitales, agile Methoden und Bürgerdialog auch im Amtsdeutsch längst Wurzeln schlagen.
Interessant sind etwa zwei ausgezeichnete Projekte. Erstens: Der 'QuattroPole Hackathon'. Das klingt nach Start-up, ist aber ein Paradebeispiel für grenzüberschreitende und sektorübergreifende Verwaltung. Verantwortliche aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus mehreren Städten bündelten ihr Know-how für Lösungen, die national und international gedacht sind. Binnen kurzer Zeit sprangen dabei statt langatmiger Protokolle konkrete, innovative Ergebnisse heraus. Zeigt mal wieder: Methode und Teamgeist rocken auch Behörden-Arbeitsplätze – und sind kein Selbstzweck.
Zweitens: Die Digitalisierung des Leipzig-Passes. Klingt trocken, ist aber ein Meilenstein. Denn statt leidiger Antrags-Odyssee läuft nun alles ereignisbasiert und automatisch. Anspruch besteht? Pass kommt. Ende der Geschichte. Dazu verschlankt das System interne Abläufe und verknüpft sie digital – Bürger profitieren, die Verwaltung ebenfalls.
Für Prof. Dr. Peter Thuy, Chef der GPM, ist das kein Zufall: Ohne fundiertes Projektmanagement, so seine Überzeugung, bleibt Umsetzung ein frommer Wunsch. Projektmanagement ist für ihn allerdings weder Excel-Akrobatik noch zusätzlicher Papierkrieg, sondern eine echte Leitungs- und Entscheidungskunst. Man findet Fokus, erkennt Risiken und sorgt für Transparenz – gerade wenn Erwartungen, Etats und Interessen kollidieren, der Alltag also brennt.
Gerade vor dem Hintergrund von Digitalisierungsschub, Klimakrise und Personalmangel taugt nur teamorientiertes, projektartiges Vorgehen. Neue Wege lassen sich eben nicht durch Weiter-so meistern. Thuy betonte: Gerade dort, wo das klassische Amtsstuben-Bild vorherrscht, wachsen an vielen Stellen Lösungen, von denen privatwirtschaftliche Player lernen können.
Der Roland-Preis selbst ist alle zwei Jahre am Start und würdigt echte Leuchtturmprojekte aus Verwaltungen aller Größen. Bewertet wird nicht nach Schema-F, sondern nach Innovationskraft, gesellschaftlicher Bedeutung, Nachhaltigkeit und vor allem nach sichtbaren Projektmanagement-Skills. So wird etwa auch geschaut, ob die SDGs – also UN-Nachhaltigkeitsziele – mitgedacht werden. Das Ziel: zu zeigen, dass Verwaltung mehr kann, als Verordnung und Kontrolle, nämlich Gestaltung, Netzwerk und Wandel.
Wichtig bleibt für den GPM-Präsidenten aber auch: Verwaltung ist nicht nur Problemfall, sondern voller engagierter Menschen, die Veränderung versuchen – Tag für Tag, oft im Schatten der Negativschlagzeilen. Sichtbarkeit guter Beispiele, Austausch und gemeinsames Lernen sind für ihn der zentrale Hebel – die „neue Verwaltung“ ist kooperativ, teilt Erfahrungen und entwickelt Standards gemeinsam statt hinter verschlossenen Türen.
Pressekontakt: Sebastian Wieschowski (s.wieschowski@gpm-ipma.de), mehr dazu auf https://www.gpm-ipma.de und im Blog https://www.gpm-blog.de.
Der Roland-Verwaltungspreis Projektmanagement 2026 zeigt eindrucksvoll, dass Behörden heute immer öfter innovative Wege gehen: Ob intelligente Teilhabe in Leipzig oder kreative Kollaboration über Stadtgrenzen hinweg – Digitalisierung und agile Arbeitsformen setzen sich im Alltag öffentlicher Verwaltung durch. Professor Thuy von der GPM argumentiert, dass professionelles Projektmanagement nicht nur ein Thema von Ablagestrukturen ist, sondern vielmehr Herzstück eines neuen Führungsverständnisses wird, das Verwaltung leistungsfähiger, bürgernäher und nachhaltiger macht. Aktuelle Recherchen ergeben: In den letzten Tagen wurden zahlreiche Artikel zu Digitalisierungsvorhaben in Behörden und neuer Verwaltungsarbeit veröffentlicht; in Hamburg laufen Tests zur KI-basierten Antragsbearbeitung, das BMBF finanziert Initiativen für digitale Lernplattformen in Ministerien, und mehrere Bundesländer starten Forschungsprojekte für Bürokratieabbau durch automatisierte, ereignisbasierte Abläufe.