VÖB-Chef rechnet sich Chancen bei möglicher Commerzbank-Fusion aus

Die deutschen öffentlichen Banken beobachten die diskutierte Übernahme der Commerzbank durch Unicredit aus Italien mit einer gewissen Zuversicht. Thomas Groß, Präsident des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), betont: Gerade in Umbruchsphasen könnten sich unerwartete Vorteile ergeben – für Kunden, aber auch auf dem Arbeitsmarkt.

heute 16:47 Uhr | 3 mal gelesen

„Fusionen sind selten eine Einbahnstraße – da entstehen, so turbulent so ein Prozess auch klingt, häufig neue Freiräume für die Konkurrenz“, meint Groß im Gespräch mit dem Handelsblatt. Falls sich Unsicherheit im Lager des Mitbewerbers breitmacht, kämen andere Banken ins Spiel: „Ob Neukundengewinnung oder das Abwerben qualifizierter Mitarbeiter – solche Gelegenheiten lassen wir uns natürlich nicht entgehen.“ Der VÖB, als Interessenvertretung etwa der Landesbanken und Förderbanken, wäre nach Groß’ Einschätzung gut aufgestellt, um von einem möglichen Zusammenschluss der Commerzbank mit Unicredit direkt zu profitieren. Die Befürchtung der Commerzbank, dass viele Unternehmenskunden in so einem Fall ihre Kreditlinien einschränken könnten, hält Groß zumindest für nachvollziehbar – sieht darin aber durchaus Chancen: „Wir als öffentliche Banken haben genug Ressourcen, diese entstehende Lücke zu schließen und unser Kreditgeschäft weiter zu stärken.“ Mit einem Marktanteil von rund 33 Prozent im deutschen Firmenkundensegment sieht er die Institute in der Verantwortung, Finanzierungssicherheit zu gewährleisten. Ein Engpass am Kreditmarkt infolge einer Fusion? „Das steht aus meiner Sicht nicht zu erwarten.“

Die Diskussion um eine mögliche Fusion zwischen Commerzbank und Unicredit löst in der Branche durchaus Nervosität aus – aber eben nicht überall. Thomas Groß vom VÖB deutet Umbrüche gerne als Momentum fürs eigene Lager: Wo der Wettbewerb mit sich selbst beschäftigt ist, könnten öffentliche Banken ihre Stärke ausspielen – etwa indem sie flexibler auf die Bedürfnisse von Firmenkunden reagieren und vielleicht sogar Kapazitäten ausweiten. Die ohnehin bestehende Reichweite der öffentlichen Banken im Unternehmenskreditgeschäft lässt Groß ziemlich entspannt auf den möglichen Zusammenschluss blicken; er sieht weder für Kunden noch für die Wirtschaft einen Grund zur Sorge. Recherchen der letzten 24 Stunden zeigen: Im „Handelsblatt“ und auf „FAZ“ wie auch bei „Spiegel“ werden ähnliche Einschätzungen geäußert, wobei teils aber auch auf erhebliche Risiken für den Bankenplatz Deutschland und die Beschäftigten aufmerksam gemacht wird.

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