Vorletzte Warnung: Öffentlicher Dienst stockt vor neuer Tarifrunde auf

Kurz vor der wichtigen dritten Verhandlungsrunde im Tarifstreit legt Hamburg am Dienstag beim Protest nach – weitere Städte ziehen nach.

heute 07:58 Uhr | 5 mal gelesen

Die Gewerkschaft Verdi ruft in Hamburg die Beschäftigten öffentlicher Einrichtungen – von Schulen bis zur Müllabfuhr – auf, am Dienstag ihre Arbeit niederzulegen. Ein Tag vor dem Fortgang der Tarifverhandlungen setzt Verdi damit sichtbar ein Ausrufezeichen. Tags darauf sollen auch in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg Warnstreiks die Verhandlungen begleiten. Christine Behle, Vize von Verdi, hält wenig von den bisherigen Vorschlägen der Arbeitgeber: Man rede freundlich, biete aber kaum substanzielle Verbesserungen – insbesondere für Auszubildende oder Studierende seien die Offerten kaum mehr als Symbolik. Auch Sandra Goldschmidt, die Hamburger Verdi-Landesbezirksleiterin, warnt: Ein kaputtgesparter öffentlicher Dienst schade langfristig dem Vertrauen in die Demokratie – nur ein funktionsfähiger Staat könne Stabilität garantieren. Verdi fordert deshalb sieben Prozent mehr Lohn, mindestens aber ein Plus von 300 Euro, sowie höhere Zulagen für Nachwuchs und einen Zuschlagssprung von 20 Prozent für „unsichtbare Extra-Arbeit“ – etwa Nacht- und Wochenendschichten.

Im Zentrum steht der massive Druck, den Verdi vier Tage vor der vermutlich entscheidenden Tarifrunde für den öffentlichen Dienst der Länder erzeugt. Die Gewerkschaft betont, dass besonders niedrige Gehälter, fehlende Nachwuchsförderung und die geplante lange Laufzeit des Tarifvertrags das System weiter belasten könnten – und letztlich die Effizienz staatlicher Leistungen unterminieren. In den letzten Jahren hat laut DW besonders der Personalmangel die Leistungsfähigkeit von Verwaltung und Infrastruktur geschwächt, was sich nicht nur in längeren Wartezeiten, sondern auch in allgemeinem Frust über den Service äußert. Gerade in Schulen und sozialen Einrichtungen könnten unzureichende Löhne den Fachkräftemangel verschärfen, warnt die taz in einem aktuellen Beitrag. Zuletzt gab es vergleichbare Streikwellen wie Anfang 2023, als ebenfalls in mehreren Bundesländern massive Einschränkungen im Nahverkehr und bei Behördengängen die Folge waren. Laut Süddeutscher Zeitung sitzt die Unzufriedenheit tief – denn viele Beschäftigte fühlen sich abgehängt, wenn die Inflation weiter anzieht, aber die Gehaltssteigerungen kaum Schritt halten.

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