Dauerkrisen-Drama: Deutschlands Wirtschaft verliert fast eine Billion Euro

Deutschlands Wirtschaft hat durch Corona, Energiepreisschocks und den neuen US-Handelsstreit seit 2020 fast eine Billion Euro eingebüßt.

heute 09:11 Uhr | 5 mal gelesen

Eine am Sonntag veröffentlichte Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kommt zu einem ziemlich schmerzhaften Befund: Seit 2020 hat ein ganzer Reigen globaler Krisen – von der Corona-Pandemie über explodierende Energiekosten bis hin zu verschärften Handelskonflikten mit den USA – die deutsche Wirtschaft voll erwischt. Der kumulierte Wohlstandsverlust: rund 940 Milliarden Euro. Rechnet man das pro Arbeitnehmer: Jede und jeder Erwerbstätige in Deutschland musste dadurch im Schnitt auf mehr als 20.000 Euro an Wertschöpfung verzichten. Das sind etwa 20 Prozent eines typischen Jahreseinkommens – ganz schön happig, finde ich persönlich.

Bemerkenswert: Ein Viertel des gesamten Einbruchs fällt sogar erst ins Jahr 2025, ausgelöst durch Trumps Rückkehr ins Weiße Haus und seine Lust auf Zölle. Im Pandemiejahr 2020 betrug der Wertschöpfungs-Verlust schon rund 185 Milliarden Euro; bis 2022 kamen durch Pandemie und den Ukraine-Krieg weitere 300 Milliarden zusammen. Mit Kriegsbeginn und den sprunghaft steigenden Energiepreisen wurde es so richtig ungemütlich – nicht nur für die Exportindustrie, sondern auch für den kleinen Handwerker um die Ecke. Die Verluste summierten sich: 85 Mrd. 2022, dann 140 und 200 Milliarden in den beiden Folgejahren. Kaum hatte man sich halbwegs aufgerappelt, trafen dann ab Ende 2024 neue US-Zölle wie ein weiterer Schlag. Das Jahr 2025 bringt deshalb laut Studie mit 235 Milliarden Euro den höchsten Wertschöpfungseinbruch in einem einzigen Jahr. Fast schon grotesk: Dort, wo wirtschaftliche Normalität mal war, ist jetzt ein gigantisches Loch.

Die konstante Abfolge von Krisen seit 2020 hat Deutschlands Wirtschaft fast eine Billion Euro gekostet – und dabei ist noch kein Ende in Sicht. Die Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unterstreicht, wie enorme Schocks wie Pandemie, Ukrainekrieg und internationale Handelsstreitigkeiten sich nicht nur auf das große Ganze, sondern auch ganz konkret auf einzelne Erwerbstätige auswirken. Neue Recherchen zeigen zudem, dass insbesondere die energieintensive Industrie einen extrem schweren Stand hat: Investitionen wandern zunehmend ins Ausland ab, der Export leidet unter dem Zolldruck, und der Abstand zu anderen Industrienationen wächst deutlich, wie jüngst auch die Süddeutsche Zeitung und die FAZ analysierten. Die IW-Studie fügt sich damit in eine wachsende Zahl ähnlicher Einschätzungen ein, die etwa auf www.zeit.de oder www.spiegel.de aktuelle Konjunkturtrends aufgreifen. Die IW-Experten warnen: Sollte der eingeschlagene Kurs – internationaler Protektionismus, geopolitische Konflikte und mangelnde Krisenresilienz – beibehalten werden, könnten die langfristigen Folgekosten noch weit drastischer ausfallen, als bislang angenommen. Viele Betriebe kämpfen mit Unsicherheit – und nicht wenige stehen schon jetzt am Abgrund.

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