Kappadokiens Küche nimmt Fahrt auf: Mit Michelin-Auszeichnung im Rampenlicht

Ürgüp – Nach Istanbul, Izmir und Muğla ist jetzt auch Kappadokien auf dem Radar des renommierten Guide MICHELIN gelandet. Die Aufnahme 2025 markiert für die türkische Kulinarik einen mutigen Sprung nach vorn: Sie tritt selbstbewusst in den globalen Wettstreit, ihre lange vergessenen Rezepte und neuen Küchenstars zu zeigen.

heute 09:56 Uhr | 2 mal gelesen

Es gibt wohl kaum eine Landschaft, die spontaner an Traumwelten erinnert als die zerklüfteten Täler und die surreale Schönheit der Feenkamine in Kappadokien. Doch nicht nur Heißluftballon-Romantiker kommen hier auf ihre Kosten – seit Kurzem locken die Restaurants der Region eine ganz eigene Liga von Neugierigen: Feinschmecker. Im vergangenen Jahr schafften es 18 Restaurants aus Kappadokien in den berühmten Guide MICHELIN – ein Fingerzeig an den Rest der Welt, bei der türkischen Küche künftig genauer hinzusehen. Bemerkenswert finde ich, wie die Küchenchefs hier antike anatolische Rezepte nehmen und sie einer Gegenwart anpassen, wo Regionalität und Umweltbewusstsein über dem Gewürzregal schweben. Was mich fasziniert: Zwischen alten Höhlenwohnungen und Vulkanasche-Boden kochen häufig ganze Familien oder Frauenkooperativen, die aus Traditionen keine Marketingfloskel machen. Sondern ganz praktisch: Bio-Gemüse schrittgenau auf Holzkohle oder schlichterweiser im Tontopf, zum Beispiel für den berühmten Testi Kebab. Wer das Glück hat, dabei zuzusehen, wie der dampfende Tonbehälter vor Publikum zerschlagen wird, ahnt: Hier zählt Erfahrung, Geduld – und ein guter Schuss Stolz auf das Eigene. Oder nehmen wir Kayısı Yahnisi, Aprikose trifft Lammfleisch im sanften Holzofenduft, ergänzt durch gefüllte Quitten, schlichte Eintöpfe wie Aşpakla (weiße Bohnen & Fleisch), oder die handgemachte Erişte – alles andere als langweilig, sondern regional verwurzelt, bodenständig und voller Aromen, die länger im Kopf bleiben als ein kurzer Social-Media-Clip. Wer dann noch den würzigen Divle Obruk probiert – einen Blauschimmelkäse der in kühlen Höhlen reift – versteht, wieso Kappadokien eine ganz andere Seite von Anatolien zelebriert als die lauten Metropolen. Überraschend: Der Wein, teils aus antiken, fast vergessenen Rebsorten wie Emir oder Boğazkere, gibt dem Ganzen einen trockenen, herrlich mineralischen Kontrapunkt. Abschließend – und das bleibt hängen: Die offizielle Anerkennung ist nicht bloß eine getarnte Tourismuswerbung. Die Region scheint eine Art kulinarisches Erwachen durchzumachen, mit insgesamt viel Herz, Handarbeit und einer gesunden Portion Eigensinn – das macht sie so unverwechselbar.

Kappadokien ist bekannt für spektakuläre Felsformationen und Heißluftballons, rückt jedoch dank des Guide MICHELIN seit 2025 auch als kulinarisches Ziel ins Rampenlicht. Die in den Guide aufgenommenen 18 Restaurants interpretieren lokale Gerichte nach traditionellen und nachhaltigen Prinzipien neu, wobei Frauenkooperativen, Familienbetriebe und authentische Landgasthäuser ebenso eine Rolle spielen wie gehobene Küchen. Der Fokus auf regionale Produkte – von Tontopf-Gerichten, feinen Käsesorten bis zu urtümlichen Weinen – spiegelt das gewachsene Selbstbewusstsein der türkischen Gastronomie und einen Trend zu bewusster, lokaler Küche wider. Laut Süddeutscher Zeitung fand in Kappadokien kürzlich ein internationales Gastro-Festival statt, das regionale Produzenten und Food-Kreative noch sichtbarer machte. Bei FAZ wurde zudem betont, dass der Boom lokalen Winzern große Aufmerksamkeit verschafft und die kulinarische Landschaft auch gesellschaftlich verändert: Traditionen werden neu interpretiert und lokale Betriebe profitieren spürbar. Bei TheLocal.de wurde hervorgehoben, wie die aktuellen Michelin-Auszeichnungen begeisterte Besucherströme aus dem Ausland anziehen und zugleich ein neues Bewusstsein für türkische Esskultur schaffen, das die Region nachhaltig verändert.

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