Man könnte meinen, Naturkatastrophen kämen aus heiterem Himmel. Doch im Chaco, einer oft unterschätzten Trockenwaldregion Südamerikas, erzählen die verkohlten Landstriche eine andere Geschichte. Neben dem offensichtlichen Einfluss von Hitzeperioden rückt eine neue Untersuchung vor allem menschliche Hände – und wirtschaftliche Interessen – in den Mittelpunkt: Nicht einfach nur das Wetter, sondern gezielte Waldrodung für Rinder und Soja schürt die Flammen. Forschende der Humboldt-Universität haben sich durch einen Ozean von Satellitendaten gewühlt – 175.000 Bilder, um genau zu sein. Dabei kam heraus: Zwei Drittel der Flächen standen seit 1985 mindestens einmal in Flammen. Besonders zynisch wirkt: Dürrezeiten sind für viele Agrarbetriebe offenbar das ideale Zeitfenster, um per Brand Land „freizumachen“ (wie Hauptautor Matthias Baumann betont). Das Feuer wird so zum Trick, nicht nur zum Risiko.
Ganz nebenbei rückt die EU ins Bild: Ihre neuen Regeln für entwaldungsfreie Lieferketten könnten mit diesen Forschungsergebnissen erstmals handfest überprüft werden, zumal ab Ende 2026 der Import von „brandgerodeten“ Rohstoffen wie Soja und Rindfleisch offiziell gestoppt werden muss. Aber so einfach wird das sicherlich nicht laufen. Hinter jeder Statistik steckt schließlich eine Gemengelage aus Politik, Profit – und ein wenig Hoffnung.
Die Studie stellt klar: Massive Teile der südamerikanischen Chaco-Region wurden systematisch und oft mit Hilfe von Bränden für neue Landwirtschaftsflächen gerodet. Es ist nicht allein der Klimawandel, sondern vor allem die Nachfrage nach Soja und Rindfleisch, die lodernde Schneisen in die Wälder schlägt – oft aus Kostengründen während Trockenzeiten. Während EU-Verordnungen Hoffnung auf Kontrolle bieten, bleibt die wirksame Umsetzung kritisch, da viele lokale Regulierungen schwach sind und wirtschaftliche Interessen einen starken Einfluss haben.
Recherchen zufolge spiegeln ähnliche Studien und Medienberichte in den vergangenen 48 Stunden wider, dass neue Satelliten-Überwachungssysteme als Gamechanger beim Aufspüren illegaler Brandrodung gelten und mehrere NGOs deshalb Druck auf die EU und südamerikanische Regierungen ausüben, die rechtlichen Lücken endlich zu schließen.