Es passiert nicht oft, dass ein Radiosender seine jungen Brands derart konsequent neu ordnet. Der WDR hebt künftig 1LIVE, 1LIVE DIGGI und COSMO unter ein gemeinsames, stärkeres 1LIVE-Dach – mit markant abweichenden Schwerpunkten. COSMO verabschiedet sich und gibt den Staffelstab ab an 1LIVE STREET. Dort dreht sich alles um HipHop – ein Genre, das weltweit Jugendkulturen zugleich differenziert und verbindet, übrigens auch in NRW. Das Zielpublikum: Menschen zwischen 20 und 29, urban und kulturell vielschichtig. Der Sender will, wie es im WDR-Gesetz verankert ist, mit Inhalten, die kulturelle Vielfalt aufgreifen, relevant bleiben, sei es UKW, digital oder DAB+.
1LIVE DIGGI wird unter dem neuen Namen 1LIVE LOUNGE Fahrt aufnehmen. Das jüngste Konzept: Rückzugsort für junge Erwachsene, die im medialen Dauerfeuer mehr Gelassenheit suchen – keine leichte Aufgabe im hektischen Nachrichtenalltag. Man könnte fast vermuten, dass das Programm künftig so etwas wie „Chill-Radio mit praktischem Mehrwert“ bieten will – zugänglich online und via DAB+.
Andrea Schafarczyk, verantwortlich für NRW, Wissen und Kultur beim WDR, formuliert das Ziel so: ‚Wir denken von den jungen Leuten aus, versuchen uns ihren Blick auf die Welt zu eigen zu machen und reagieren darauf, wie und wo sie heute zuhören.‘ Und Schiwa Schlei, Chefin von 1LIVE und COSMO, bringt es auf den Punkt: Über 40 Prozent der unter 30-Jährigen in NRW haben eine internationale Familiengeschichte. Genau diesen Mix will der WDR künftig noch bewusster ins Programm holen, ohne dass der Alltag der Hörer:innen aus dem Blick gerät.
Spannend und vielleicht zu wenig bemerkt: Künftig werden die Sprachenangebote zusammengelegt, d.h. COSMO und WDRforyou bündeln ihre Kompetenzen. Der WDR möchte so nicht nur besser auf die diversen Bedürfnisse in NRW eingehen, sondern auch die mehrsprachige Kompetenz stärker in deutschsprachige Inhalte integrieren – etwa mit einem stärker auf Türkisch ausgerichteten Onlineangebot. Das Thema Vielfalt bleibt also nicht bloß Fassade, sondern soll aktiv gestaltet werden.
Der WDR geht einen mutigen Schritt und restrukturiert seine jungen Radiosender rund um die Dachmarke 1LIVE, um die Vielfalt der jungen Generation in NRW besser abzubilden. Mit 1LIVE STREET als HipHop-Frequenz und 1LIVE LOUNGE als Stress-befreite Begleitung will der Sender unterschiedliche Stimmungen und Hintergründe der Hörer:innen abholen. Die Bündelung der Sprachenangebote, insbesondere das erweiterte türkischsprachige Angebot, reflektiert die Bevölkerungsstruktur NRWs noch deutlicher und setzt ein Signal für echte Teilhabe.
Neuste Berichte aus anderen Quellen bekräftigen, dass öffentlich-rechtliche Sender in Deutschland zunehmend unter gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Druck stehen und deshalb neue Strategien für junge Zielgruppen entwickeln. Der WDR reagiert auf die sinkende Radioreichweite im klassischen Sinne und experimentiert mit Plattform-übergreifenden Formaten, um nicht noch mehr Kontakt zur digital socialisierten Generation zu verlieren. Gleichzeitig wird aus den Quellen deutlich, dass Migration und Mehrsprachigkeit als Chancen wahrgenommen werden, die den Sendeauftrag im digitalen Zeitalter erweitern und modernisieren, auch politisch umstrittene Debatten wie um den Stellenwert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks inklusive – ein Thema, das weiterhin in Bewegung bleibt.