Nicht zum ersten Mal in letzter Zeit schlagen Wirtschaftsforscher Alarm: Laut frischer Zahlen des Leibniz-Instituts in Halle meldeten im Februar insgesamt 1.466 Betriebe Insolvenz an. Das sind etwa fünf Prozent mehr als im Januar – und auch im Vergleich zum Vorjahresmonat zeigt sich ein leichter Zuwachs. Noch auffälliger: Im Vergleich zu den Zeiten vor Corona hat sich das Insolvenzgeschehen mehr als halbiert. Besonders viele große Arbeitgeber traf es; zum Teil gingen in den größten Betrieben auf einen Schlag weit über 23.000 Stellen verloren – was für die betroffenen Menschen soziale Härten mit sich bringt, von denen man meist nicht direkt in Finanzstatistiken liest. Interessanterweise zieht sich eine Schieflage gerade auch durch die Gesundheitsbranche: Krankenhäuser wie das große Klinikum Friedrichshafen kämpfen plötzlich ums Überleben – für das Personal ein Schock, für die ganze Region eine Unsicherheit.
Das IWH hat zudem spezielle Indikatoren entwickelt, die Insolvenzen möglichst früh erkennbar machen. Die zeigten im Februar quasi Alarmstufe Rot: Nur einmal seit 2020 war der Wert genauso hoch. Der Chef der Insolvenzforscher, Steffen Müller, wagt eine düstere Prognose – er rechnet im März mit weiter hohen Zahlen und sieht auch für das Frühjahr wenig Licht am Ende des Tunnels. Es bleibt also brisant.
Die Zahl der Firmenpleiten zieht weiter an – im Februar wurde der starke Trend aus dem Vorjahr fortgesetzt. Neben den wirtschaftlichen Folgen für Unternehmen und deren Beschäftigte sorgen vor allem die Konzentration der Insolvenzen auf große Arbeitgeber und sensible Bereiche wie das Gesundheitswesen für Schlagzeilen. Recherchen legen nahe, dass die Ursachen vielfältig sind: Angespannte Finanzierungslagen, hohe Energiepreise und jetzt auch eine nachlassende Nachfrage belasten besonders Mittelständler. Hinzu kommt, dass viele Staatshilfen aus der Pandemie ausgelaufen sind – was etliche Unternehmen spätestens jetzt in eine existenzielle Krise stürzt. Die Politik bemüht sich um Maßnahmen, doch die Effekte bleiben bislang überschaubar. Experten streiten darüber, wie viel von der aktuellen Pleitewelle eine „gesunde Marktbereinigung“ ist – oder ob strukturelle Probleme das Risiko einer langanhaltenden Wirtschaftsschwäche weiter verschärfen könnten.