Weniger Jugendliche rauchen – Ist der Verbotsdruck noch angebracht?

Berlin – Während aus Politik und diversen Organisationen weiter lautstarke Forderungen nach härteren Tabaksteuern und neuen Verboten ertönen, mahnt der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) mehr Gelassenheit an. Pünktlich zum Weltnichtrauchertag zeigen nämlich offizielle Zahlen: Der Anteil rauchender Jugendlicher und junger Erwachsener sinkt seit Jahren stetig. Also: Bietet die Statistik tatsächlich Anlass für neue Einschränkungen?

heute 11:45 Uhr | 3 mal gelesen

"Ohne stichhaltige Fakten immer lauter nach Einschränkungen zu verlangen, bringt niemanden weiter", gibt sich BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke überzeugt. "Wir sollten uns auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich wie Jugendschutz wirklich gestärkt werden kann – am besten nüchtern und ohne Populismus."

Neueste Mikrozensus-Daten offenbaren einen Rückgang: Nur noch 5 Prozent der 15- bis 17-Jährigen geben im Jahr 2025 an, zu rauchen. Die BIÖG-Studie kommt auf etwas höhere, aber ebenfalls niedrige Werte: 7,9 Prozent der 12- bis 17-Jährigen haben in den letzten 30 Tagen zur Zigarette oder anderen Nikotinprodukten gegriffen. Interessant: Als „Raucher“ bezeichnen sich sogar 9,6 Prozent – offenbar schließt der Begriff heute E-Zigaretten und Ähnliches mit ein, der klassische Glimmstängel ist längst nicht mehr allein entscheidend.

Insgesamt sieht das BIÖG einen nachhaltigen Rückgang bei Tabak- und Nikotinkonsum – sowohl bei Jugendlichen als auch jungen Erwachsenen. Für die gesamte Bevölkerung stagniert die Raucherquote (19,1 Prozent), zumindest bleibt sie unverändert gegenüber 2021.

Kritik gibt es seitens des BVTE an reflexhaften politischen Reaktionen. Mücke warnt: Mehr Steuern und Reglementierungen dienen oft nur dem Schwarzmarkt – der erlaubt ohnehin keinen Ausweischeck. Echte Jugendschutzarbeit bedeute stattdessen: gezielte Kontrollen, Testkäufe, empfindliche Strafen für Wiederholungstäter.

Als Beispiel für eine verfehlte Verbotsstrategie: Obwohl der Verkauf tabakfreier Nikotinbeutel in Deutschland illegal ist, probierten 1,9 Prozent der Minderjährigen diese Produkte. Dazu Mücke: "Auf dem Schwarzmarkt fragt niemand nach dem Alter."

Deshalb: Regulierung statt reiner Verbote – auch um erwachsenen Rauchern einen schadstoffarmen Ausweg zu bieten und den Schwarzmarkt trocken zu legen.

Zur BVTE-Seite mit Faktencheck zum Jugendschutz

Sowohl die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes als auch die BIÖG-Drogenaffinitätsstudie bestätigen, dass der Anteil rauchender Jugendlicher in Deutschland weiter sinkt. Diskussionen über weitere Verbote und Steuererhöhungen stoßen deshalb auch unter Experten auf Skepsis – vielmehr plädieren viele für eine nüchterne Auswertung der Zahlen und gezielte Maßnahmen wie mehr Kontrollen und cleveres Regulieren statt pauschalem Verbot. Laut Recherchen und aktuellen Medienberichten wird insbesondere die Rolle alternativer Nikotinprodukte wie E-Zigaretten und Nikotinbeutel zunehmend Thema in der öffentlichen Debatte. Neu ist, dass der Begriff "Raucher" sich offenbar verschiebt: Jugendliche verbinden damit längst nicht mehr nur klassische Zigaretten, sondern auch andere Nikotinlieferanten. Darüber hinaus beobachten viele Experten mit Sorge einen wachsenden Schwarzmarkt für Tabak- und Nikotinprodukte. In zahlreichen deutschen Großstädten gibt es mittlerweile regelmäßige Testkäufe, um den Verkauf an unter 18-Jährige zu erschweren, doch die Durchsetzung bleibt schwierig. Nach Einschätzung aus der Politik und von Suchtexperten bleibt das Problem jugendlicher Risikoneigung bestehen – auch wenn klassische Rauchwaren an Bedeutung verlieren, bleiben die gesundheitlichen Risiken von Nikotin, insbesondere in neuen Formen, weiter Thema.

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