Wie Beschriften und Ordnung unser Wohlbefinden ankurbeln – Ein unterschätzter Trend gewinnt an Fahrt

Wer dachte, das Etikettieren sei bloß Spielerei für Perfektionisten, irrt gewaltig: Laut Psychologin steckt mehr dahinter. Ordnung hat nicht nur was für’s Auge, sondern kann handfest unsere Stimmung und Gesundheit beeinflussen.

19.01.26 10:11 Uhr | 4 mal gelesen

Neues Jahr, neues Chaos? Typisch. Viele nehmen sich Anfang Januar vor, endlich im Haushalt klar Schiff zu machen. Die Sache mit dem Aufräumen hat jedoch einen tieferen Kern, als bloß ordentlich zu wirken – das sagt zumindest Dr. Eleanor Bryant von der University of Bradford. Sie bezieht sich auf die kognitive Belastungstheorie: Je mehr wir unser Umfeld ordnen, desto weniger gerafftes Durcheinander schlägt aufs Gemüt. Besonders, je älter man wird, hat der Kopf einfach keinen Nerv mehr auf überraschende Fundstellen à la Batterie zwischen den Nudelgläsern. Wenn dann alles hübsch etikettiert ist, schnellt nicht nur die Zufriedenheit in die Höhe, sondern man belohnt sich scheinbar sogar mit kleinen Erfolgserlebnissen. Ein beschrifteter Kuchenteigbehälter – schwupp, Gefühl von Kontrolle, wie Gentle Yoga fürs Hirn. Nebenbei, die Beschäftigung an sich – ein bisschen Kreativität, ein bisschen Basteln – trainiert das Oberstübchen ebenfalls. Selbstredend schwört auch das Marketing von Brother, wiederum Erfinder diverser Etikettendrucker, auf den praktischen Mehrwert. Besonderen Pep bringen Influencer wie Hazel Burton, die zeigen, wo man überall noch ein Etikett ankleben könnte – klar, auch an Stellen, die bisher verschont blieben (Kabelsalat unter’m Fernseher oder die ominöse dritte Schublade links).

Ordnungs-Tipps und das gezielte Beschriften erleben aktuell einen kleinen Boom – aus gutem Grund. Experten wie Dr. Bryant betonen, dass beschriftete Ordnung dem Hirn hilft, Stress zu vermeiden und in kleinen Etappen Glücksmomente auszulösen. Wer regelmäßig beschriftet, bringt damit sogar sein Gedächtnis auf ähnliche Touren wie beim Gehirnjogging. Ergänzend zu den im Artikel genannten Studien sind inzwischen weitere wissenschaftliche Untersuchungen erschienen, die einen Zusammenhang zwischen geordneten Umgebungen und niedrigeren Stressempfindungen nachweisen (vgl. taz und Zeit). Immer mehr Menschen entdecken, vor allem über soziale Netzwerke wie Instagram, neuartige Methoden, Ordnung kreativ, individuell und alltagstauglich zu gestalten. Auf Plattformen wie Perspective Daily und Krautreporter thematisieren Autor:innen zudem, wie alltägliche Routinen der Selbstorganisation einen Ausgleich zur permanenten digitalen Erreichbarkeit bieten und so einen nachhaltigen Beitrag zum Wohlbefinden leisten können.

Schlagwort aus diesem Artikel