Zecken im Großstadtdschungel: Warum Parasiten für Haustiere gefährlicher sind, als viele denken

Hund, Katze, Mensch – in innerstädtischen Parks lauern Zecken und andere Parasiten oft unbemerkt. Anlässlich des World Parasite Awareness Day zeigt eine neue Studie: Das Risiko wird massiv unterschätzt, selbst mitten in deutschen Städten.

heute 09:43 Uhr | 1 mal gelesen

Manchmal, wenn ich mit dem Hund im Park stehe und der Sommerregen auf die Blätter trommelt, denke ich: Hier, zwischen Blumen und Radwegen, sieht alles so harmlos aus. Doch eine weltweite Befragung unter 6.500 Tierbesitzern bringt Überraschendes zutage – viele wissen zu wenig über Parasiten, und ihre recht lasche Vorsorge birgt unsichtbare Gefahren für ihre Tiere. Satte 27% gaben an, sich nur mäßig mit dem Thema auszukennen, und fast drei Viertel fordern klarere Hinweise, wie man vorbeugt. Jeder fünfte Haustier-Besitzer berichtet sogar von frischen Parasitenproblemen bei seinen Vierbeinern – die Realität beißt gnadenlos zu. Immerhin, Tierärztinnen und Tierärzte bleiben für über zwei Drittel der Befragten die Hauptquelle für Rat und Tat.

Unterschätzte Zeckengefahr direkt vor der Haustür

Was der Statistik-Charme bislang oft verdeckt hat: Auch in deutschen Metropolen kreuchen Zecken munter durch die Parks. Eine neue Feldstudie – durchgeführt in 41 Anlagen zwischen Berlin, Potsdam und Heidelberg – hat in 73% aller getesteten Stadtparkanlagen Zecken gefunden. Die Untersuchungen mittels Flaggmethode (quasi Stoff über’s Gras gezogen) wurden im Frühling, Frühsommer und Herbst durchgeführt. Der "Gemeine Holzbock" führt dabei die Hitliste an. Vor allem Bereiche mit Gebüsch, Laub und Schatten waren betroffen, wobei der Zeckenansturm im Frühjahr am heftigsten war – als Hunde und Halter das frische Grün genießen wollen.

Dr. Verena Große Liesner, Tierärztin, zeigt sich wenig überrascht vom Ausmaß: „Der hohe Anteil positiver Park-Befunde verdeutlicht, wie wichtig konsequenter Schutz ist – gerade im städtischen Raum.“ In einer aktuellen Befragung des VDH gaben 92% der Hundehalter:innen 2024 an, mindestens einmal in diesem Jahr eine Zecke am Tier gefunden zu haben. Alltagsgefahr also, nicht bloß berühmte Risiko-Landstriche.

Globale Zahlen, lokale Sorgen

Ein kurzer Blick über den Tellerrand: In den USA leben geschätzt über 1,2 Millionen herzwurm-positive Hunde. Auch in Europa und Südostasien erfasst der Parasit das Leben vieler Haustiere – in Italien infizieren sich fast die Hälfte, in Südostasien zwei Drittel der untersuchten Hunde mit Zecken. Das ergibt nicht nur juckende Stiche: Diese Spinnentiere übertragen Krankheiten wie Borreliose, Babesiose und Ehrlichiose, die langfristige und oft schwer ersichtliche Folgen nach sich ziehen können.

Erkenntnis: Es braucht engagierte Tiermedizin, individuelle Schutzstrategien und klare Kommunikation zwischen Praxis, Halter und Tier. Besonders, da Risikofaktoren – Jahreszeiten, Umgebung, Tiercharakter – ständig im Wandel sind.

Wissensquelle für Haustiermenschen

Wer Informationen und praktische Tipps sucht, wird zum Beispiel auf Parasitenportal.de fündig. Dort finden Tierhalter:innen aktuelle Hinweise zu Risiken, Vorbeugung und weiteren Maßnahmen – hilfreich als Ergänzung zu persönlicher Beratung.

Kurz & bündig: Was Tierhalter beschäftigt

  • Muss ich auch Wohnungstiere schützen? Ja. Flöhe & Co. kommen nicht nur über Wiesen und Wälder, sondern auch auf Schuhen, Kleidung oder durchs Fenster in die Wohnung.
  • Woran erkenne ich Befall? Symptome sind oft unspezifisch – von Juckreiz bis Trägheit. Manche Tiere zeigen lange gar nichts.
  • Sind Mittel zur Vorbeugung sicher? Sofern sie wissenschaftlich geprüft und zugelassen sind: ja, sie sind effektiv und meistens gut verträglich.
  • Wie oft schützen? Kommt auf Haustier und Umwelt an – hier hilft die Tierarztpraxis bei der Auswahl eines passenden Fahrplans.
  • Können Parasiten auch auf den Menschen überspringen? Möglich, wenn auch selten. Wer das Haustier schützt, schützt indirekt auch sich selbst vor unliebsamen Mitbewohnern.

Neue Untersuchungen zeigen, dass Zecken in deutschen Städten viel häufiger vorkommen als bisher angenommen – rund drei Viertel der getesteten Stadtparks sind betroffen. Tiere, insbesondere Hunde und Katzen, sind sowohl in urbanen als auch ländlichen Gebieten gefährdet, denn Zecken können gefährliche Krankheiten wie Borreliose oder Babesiose übertragen, die schwer zu erkennen und langwierig zu behandeln sind. Trotz der hohen Risiken bleibt die Sensibilisierung vieler Tierhalter lückenhaft, weshalb Veterinärmediziner mehr Aufklärung und individuell angepasste Präventionspläne fordern, zumal Parasiten auch als Zoonosen für Menschen bedeutsam sind. Ergänzende Recherche 2024/06: Kürzlich mahnte das Robert Koch-Institut, dass die Zeckensaison in deutschen Städten aufgrund milder Winter länger ausfallen und sich das Zeckenverbreitungsgebiet durch Klimawandel weiter nach Norden verschieben könne. Dabei steigt auch die Zahl der durch Zecken übertragenen Krankheiten, nicht nur bei Haustieren, sondern zunehmend auch beim Menschen (vgl. taz.de). Zeitgleich bestätigt ein Bericht auf „Die Zeit“, dass die Zahl der gemeldeten Borreliose-Fälle sowohl bei Haustieren als auch bei Menschen in den letzten Jahren gestiegen ist; Experten führen das auch auf vermehrtes Freizeitverhalten in Parks und Gärten zurück. Parallel berichtet die FAZ, dass Tierärzte vermehrt auf kombinierte Präventionspläne setzen, die Beratung zu Zeckenmitteln, regelmäßige Kontrolluntersuchungen und Bewusstseinskampagnen umfassen, weil viele Mittel nur begrenzte Wirksamkeit für spezielle Parasiten bieten und die Gefahr unterschätzt wird.

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