Das Meer: Ein Ort mit zwei Gesichtern
Wer sich die Umfrageergebnisse unter die Lupe nimmt, merkt: Die Jugend denkt das Meer nicht nur als Bild aus Urlaubsprospekten. Für fast 40 Prozent steht es für Stille, Abschalten, einen Hauch von Ewigkeit (jedenfalls fühlt sich das so an, wenn die Wellen rauschen). Abenteuerlust, ein bisschen Fernweh und Freiheit – diese Sehnsucht nach mehr als dem eigenen Alltag nannten weitere viele. Doch – und das hat mich ins Grübeln gebracht: Fast ebenso viele fühlen sich angesichts der Bedrohungen mal fasziniert, mal beängstigt. 41 Prozent sind quasi innerlich gespalten. Manchmal ist es, als bekäme das Meer einen grauen Schleier – kein reines Sehnsuchtsobjekt mehr, sondern Stresstest für die Zukunft.
Mitfühlen, aber nicht handeln?
Was bleibt, ist jenen Jugendlichen, die nahezu alle den Meeresschutz wichtig finden (91 Prozent), eine gewisse Lähmung. Denn nur vier Prozent werden tatsächlich aktiv. Vielleicht ligt’s an zuvielen komplexen Infos oder am Gefühl: Was bringt mein kleiner Beitrag schon? Mich erinnert das an diese seltsame Mischung aus Klassenarbeitspanik und Weltrettungs-Ambition – viele wissen, dass es drauf ankommt, aber ins Tun kommt nicht jeder. Es gäbe also echtes Potenzial, kreative Mitmach-Angebote – am liebsten auf Augenhöhe – zu entwickeln.
Woher kommt überhaupt unser Meerwissen?
Überraschend: Die Schule ist noch immer ein zentraler Ort für Meereswissen – mit 65 Prozent liegt sie sogar ein bisschen vor Social Media und Internet (62 Prozent). Dass ganze 42 Prozent durch Malen, Fotografieren oder Zeichnen ein besseres Kapitel in Sachen Klima- und Meeresthemen aufschlagen, zeigt, wie wichtig kreative Zugänge sind, um Gefühle in Handlungen und Dialoge zu übersetzen.
Das Meer als Leinwand: Jugendwettbewerb setzt Zeichen
Genau deswegen passt der Internationale Wettbewerb „jugend creativ“ so gut ins Bild: Mitmachen können nicht nur alle Altersstufen von Schulkind bis junge Erwachsene, sondern auch, wer schon berufstätig ist – bis 20 zählt man, so die Regeln. Die Aufgabe: Zeigen, was Meer für dich bedeutet. Als Bild, Kurzfilm oder im Quizformat. Arved Fuchs, der Schirmherr (und kein Unbekannter, wenn’s ums Eis der Arktis geht), bringt dazu den nötigen Tiefgang. Das Format ist übrigens länderübergreifend und seit 2009 UNESCO-geadelt – also ein Thema, das auch Europa zusammenbringt. Erstaunlich, wie sehr ein Wettbewerb Dialog schaffen kann. Der Einsendeschluss läuft übrigens noch bis 2026.
Wer wurde gefragt?
Die Umfrage hat über 500 junge Leute per Online-Fragebogen befragt – ziemlich dicht am Puls von 14 bis 20 Jahren, also jener Generation, die noch zwischen TikTok und Biobuch pendelt. Auftraggeber war der BVR, befragt hat das Institut Verian.
Mehr Infos? Guckt mal auf www.jugendcreativ.de. Von kreativen Impulsen kann eine ganze Welle ins Rollen kommen – wenn, ja wenn es gelingt, die Jugendlichen nicht nur zu erreichen, sondern mitzunehmen.
Die Umfrage spiegelt wider, wie stark junge Menschen zwischen Bewunderung für die Meere und wachsender Angst vor deren Zerstörung schwanken. Mit einer überwältigenden Mehrheit bekennen sich Jugendliche zum Meeresschutz und informieren sich vielfach über Schule, Medien, aber auch über kreative Kanäle – dennoch bleibt echtes Engagement oft aus. Neuere Entwicklungen: Laut aktuellen Beiträgen auf Spiegel.de ist das Thema Klimaschutz in der Meerespolitik weiter aktuell – Deutschland setzt sich beispielsweise auf dem Weltklimagipfel verstärkt für ein internationales Abkommen zum Meeresschutz ein, während in der Süddeutschen Zeitung Berichte über vermehrte Umweltinitiativen im Jugendbereich und über die dramatische Zunahme von Mikroplastik und dessen Auswirkungen in deutschen Flüssen die Relevanz des Themas unterstreichen.
Außerdem zeigen laut Zeit.de (Stand heute) europaweite Projekte, dass insbesondere die Verbindung von künstlerischen Aktivitäten und ökologischer Bildung Jugendliche zu nachhaltigeren Aktionen motivieren. Hinzu kommt: Durch neue digitale Formate und gemeinsame internationale Aktivitäten entsteht grenzübergreifend ein Bewusstsein, das vielleicht den in der Umfrage sichtbaren Handlungsstau aufweichen kann.