Nicht lange um den heißen Brei herumgeredet: Macron sieht gerade jetzt die Zeit gekommen, Hand in Hand mit Deutschland eine neue Stufe nuklearer Zusammenarbeit zu wagen. Bereits dieses Jahr, meinte er, könnten erste Austauschbesuche auf kritischen Militärstandorten sowie gemeinsame Übungsszenarien starten – fast schon ein Paukenschlag für die sicherheitspolitische Partnerschaft. Dass Frankreich sein eigenes nukleares Arsenal übrigens aufstocken will, erwähnte Macron fast beiläufig – dabei klingt sein Satz, man müsse „gefürchtet werden, um frei zu sein“, wie aus einer Zeit, in der die Welt noch zwischen Ost und West eingeteilt war. Spannend: Wie viele Sprengköpfe genau, bleibt fortan streng geheim, sagt Frankreichs Präsident. Und so ist Paris nicht nur die einzige EU-Atommacht, sondern bleibt auch die einzige mit dem Code zum atomaren Vorhang und, offenbar, einer neuen Agenda im Gepäck.
Macrons Vorstoß für deutsch-französische Atomkooperation fällt in eine Zeit wachsender Unsicherheiten – vom Ukraine-Krieg bis zur Erosion traditioneller Sicherheitsbündnisse wie der NATO. Bundeskanzler Scholz zeigte sich bislang zurückhaltend, was eine direkte Einbindung der Bundeswehr in nukleare Übungen betrifft; Paris betont allerdings den symbolischen Wert des Angebots für die EU-Sicherheitsarchitektur. In deutschen Medien und Politik wird das Thema kontrovers diskutiert: Manche sehen einen historischen Schritt hin zu mehr europäischer Eigenverantwortung, andere warnen vor der Aufweichung bestehender Nichtverbreitungsprinzipien oder riskanten Eskalationen.