Es ist schon seltsam: Immer wieder wird von Politikern die Wichtigkeit der Organspende betont, aber nun stehen genau die Beratungsgespräche zur Disposition, die das Thema überhaupt ins Bewusstsein holen. Stephan Pilsinger, Hausarzt und stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, kann darüber nur den Kopf schütteln. "Die Streichung der ärztlichen Abrechnungsziffer hätte fatale Folgen", so Pilsinger gegenüber der Rheinischen Post. Dass dieser Schritt laut ihm kaum nennenswerte Einsparungen bringe, lässt das Vorhaben umso absurder erscheinen. In den Arztpraxen, bei denen Patienten ohnehin regelmäßig auftauchen – ob zur Vorsorge, wegen einer Erkältung oder ganz anderer Dinge – ist meist Zeit für ein kurzes Gespräch. Und mal ehrlich: Wer beschäftigt sich schon freiwillig ausgiebig mit der eigenen Organspende? Ausgerechnet diesen niedrigschwelligen Zugang nun einzuschränken, hält Pilsinger für den falschen Weg. Er wirft der Koalition vor, an der falschen Stelle sparen zu wollen und plädiert dafür, dieses Vorhaben aus dem geplanten Sparpaket für die Gesetzlichen Krankenkassen wieder herauszunehmen.
Der Vorstoß, ärztliche Beratungen zur Organspende nicht mehr zu vergüten, stößt parteiübergreifend auf Kritik. Organisationen wie die Bundesärztekammer betonen, wie wichtig niedrigschwellige Information im direkten Arzt-Patienten-Kontakt ist, um Vorbehalte abzubauen und die Entscheidung zur Organspende zu fördern. Aktuelle Zahlen zeigen außerdem, dass Deutschland ohnehin im europäischen Vergleich hinten liegt, was die Zahl der Organspender und Registrierungen betrifft – hier könnte eine Einschränkung der Beratung fatal wirken. Laut einer aktuellen Umfrage (u.a. bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation) wünschen sich viele Menschen mehr Informationen, sind aber verunsichert und nutzen Beratungsangebote kaum von selbst. Die Bundesregierung argumentiert zwar mit der Notwendigkeit von Einsparungen im Gesundheitswesen, steht nun aber verstärkt unter Druck, die Beratungsleistungen nicht weiter zu beschneiden.