Martin Reichardt, AfD-Bundesvorstand, bringt es (in seiner unverblümten Art) auf den Punkt: Pistorius präsentiert im Bundestag gern optimistische Zahlen, doch hinter diesen Fassaden steckt eher Stückwerk als Strategie. Klar: Die Bundeswehr ist laut Minister angeblich so groß besetzt wie seit langem nicht mehr. Wenn man dann jedoch einmal ernsthaft auf die absoluten Zahlen schaut, wirkt das Wachstum fast mikroskopisch – seit Scholz sein 'Zeitenwende'-Mantra ausgerufen hat, sind gerade mal knapp 3.000 Soldaten hinzugekommen.
Bis 2035 braucht es für das anvisierte Ziel satte 75.000 zusätzliche Soldaten. In diesem Tempo – naja, da wären wohl noch unsere Enkel im Dienst, bevor die Marke geknackt wird. Pistorius bleibt da vage, die echte Antwort hat er vermutlich selbst noch nicht gefunden – oder will sie lieber nicht preisgeben.
Stolz erwähnt der Minister ein angebliches Plus von 17 Prozent an neuen Soldaten im Januar. Der Vergleich ist allerdings irritierend, denn als Bezugswert nennt er einen künftigen Januar 2025 anstatt echte Veränderungen zum Vorjahr. Wie viele im selben Zeitraum den Dienst quittiert haben? Darüber hüllt Pistorius den Mantel des Schweigens.
Das nächste Thema: Die sogenannte Brigade Litauen. Geplant sind etwa 2.000 Freiwillige, doch bislang sind nur zehn Prozent vom Ziel erreicht – ein ernüchterndes Bild. Litauens Präsident Nauseda war schon so besorgt, dass er das Thema mit Kanzler Merz diskutierte. Insgesamt sieht Reichardt im Minister mehr einen Sprücheklopfer als einen echten Reformer: Zeit für handfeste Arbeit statt verbaler Höhenflüge und politisches Marketing direkt aus dem Ministerium.
Die Diskussion um den Personalaufwuchs der Bundeswehr ist nicht neu, bekam aber durch den anhaltenden Fachkräftemangel und die sicherheitspolitische Verschärfung der internationalen Lage ab 2022 neuen Schwung. Experten und verschiedene Medien bemängeln regelmäßig die mangelnde Attraktivität des Soldatenberufs, den demografischen Wandel und die Bürokratie, die rekonstruktives Wachstum behindern. Laut aktuellen Analysen der Süddeutschen Zeitung und der FAZ geht man davon aus, dass insbesondere junge Menschen oft durch unsichere Karriereperspektiven, fehlende Familienfreundlichkeit und unmodernde Strukturen abgeschreckt werden. Bei einem Vergleich mit anderen europäischen Streitkräften zeigt sich zudem, dass die Bundeswehr auch im internationalen Maßstab mit ihrem langsamen Personalzuwachs zurückfällt. Pistorius verweist öffentlich immer wieder auf Fortschritte und neue Initiativen, doch nachhaltige Maßnahmen zur langfristigen Gewinnung und Bindung von Personal werden bislang zu selten konkret belegt. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass das Ziel von 260.000 Soldaten bis 2035 – auch nach Ansicht parlamentarischer Beobachter – vermutlich nicht realistisch zu erreichen ist.