Bonner Nordbrücke dicht: Debatte um Prioritäten bei Verkehrsinvestitionen flammt auf

Dass die Nordbrücke in Bonn auf der A565 gesperrt ist, sorgt bei Politik und Bevölkerung für Diskussionen: Der Grünen-Verkehrsexperte Tarek Al-Wazir äußert deutliche Kritik am Kurs der Bundesregierung in Sachen Infrastruktur. Seiner Ansicht nach wird zu sehr auf Neubauten gesetzt, statt die Sanierung alter, maroder Brücken ernsthaft voranzutreiben. Besonders ärgert ihn, dass teure Verbreiterungen bei Neubauplänen verlangt würden, die alles verzögern und verteuern.

heute 16:27 Uhr | 2 mal gelesen

Sanieren statt immer neue Straßen bauen – das fordert Tarek Al-Wazir und bezieht sich dabei auf den aktuellen Brücken-Notstand in Bonn. Nach der plötzlichen Sperrung der 1967 gebauten Friedrich-Ebert-Brücke (A565) sind die Nerven in der Region angespannt: Staus, Umwege, wütende Pendler. Al-Wazir sieht den Grund an höherer Stelle: Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) gebe dem Neubau von Autobahnen (‘Betonpolitik’, wie Al-Wazir es nennt) Vorrang, während für die Sanierung alter Bauwerke das Geld und die Planungsressourcen fehlten. Interessant: Gerade das Bundesverkehrsministerium verlangt bei der Planung eines Brückenneubaus eine massive Verbreiterung – was, so Al-Wazir, den Prozess verkompliziere und verteuere. In der Zwischenzeit prüft man hektisch, ob wenigstens eine provisorische Brückennutzung möglich ist. Aus dem Bundessondervermögen fließen jährlich rund 2,5 Milliarden Euro in Sanierungen, doch das sei viel zu wenig, so Al-Wazir. Die Brücke bleibt einstweilen gesperrt, die Region diskutiert und der Frust wächst. Eigentlich sollte man langsam gelernt haben, wie teuer das Verschleppen von Sanierungen wirklich wird.

Die Sperrung der Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn macht die Fragilität der deutschen Verkehrsinfrastruktur erneut deutlich. Laut aktuellen Berichten der Süddeutschen Zeitung und Tagesschau fordert etwa auch der Bürgermeister von Bonn schnelle Lösungen, um den regionalen Verkehr nicht monatelang lahmzulegen. Aktuelle Debatten beschäftigen sich darüber hinaus mit dem Streit um Bundesgelder, die häufig eher in Neu- statt in Erhaltungsmaßnahmen fließen – nicht nur in NRW, sondern auch bundesweit. Trotz der Versprechen von Minister Schnieder, eine rasche Übergangs- oder Notlösung zu finden, bemängeln viele Fachleute, dass die Prioritätensetzung der Bundesregierung bei Brückensanierungen viel zu defensiv ist. Die Planungsverzögerungen durch zusätzliche Auflagen, wie eine Verbreiterung beim Neubau, stehen exemplarisch für das deutsche Infrastruktur-Dilemma.

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