Alarmierender Trend: Synthetische Drogen fluten Europas Straßen

Hendrik Streeck, der aktuelle Drogenbeauftragte der Bundesregierung, schlägt angesichts der rasant wachsenden Gefahr durch hochwirksame synthetische Drogen lautstark Alarm.

heute 09:32 Uhr | 17 mal gelesen

Es wirkt beinahe, als stehe Europa mitten in einer toxischen Revolution: Neue synthetische Substanzen, vor allem Opioide wie Nitazene und Fentanyl, tauchen immer schneller und mit immer extremeren Wirkungen auf. 'Wir wissen oftmals gar nicht, was wirklich die Runde macht', meint Streeck im Gespräch beim Deutschlandfunk – ein an sich schon beunruhigender Gedanke. Winzige Mengen können tödlich sein, manchmal reicht schon ein Körnchen, kleiner als ein Staubkörnchen. Das Zeug wird nicht selten unter Heroin gemischt: Wer konsumiert, spielt buchstäblich russisches Roulette. Was mir ehrlich gesagt Sorgen macht: Die Opfer werden jünger. Es trifft immer mehr Jugendliche, teils kaum älter als die eigene Erinnerung an die Pubertät. Und während sich die Politik noch die Augen reibt, breiten sich Kokain und vor allem Crack in manchen Städten aus wie ein Buschfeuer. Echte Antworten? Fehlanzeige bislang. Oft wirkt es, als hänge das System der Problemdynamik hinterher – mit vollkommen unberechenbaren Folgen.

Synthetische Drogen – sie sind kein fernes Problem mehr. Immer öfter berichten Fachleute von Fällen, in denen harmlose Mengen Fentanyl oder ähnlicher Substanzen schwere Überdosen verursachen; Nitazene sind sogar noch potenter. In Deutschland ist die Zahl drogenbedingter Todesfälle 2023 nach Angaben des BKA erneut gestiegen. Während klassische Drogen gut erfasst scheinen, stapfen Polizei, Suchthilfe und Gesundheitspolitik oft im Nebel, wenn es um neue Substanzen geht. Europäische Behörden schlagen Alarm: Ein noch nie dagewesenes Tempo bei der Entwicklung neuer psychoaktiver Stoffe, günstige Produktion, ein immer undurchschaubarerer Schwarzmarkt. Streeck fordert mehr Aufklärung, bessere Früherkennung und einen Paradigmenwechsel im Umgang mit der Sucht – eine Strategie, die nicht nur reagiert, sondern vorausdenkt. Neuere Berichte zeigen, dass bereits erste Todesfälle durch Nitazene in deutschen Großstädten aufgetreten sind. Die hohe Potenz und schwierige Nachweisbarkeit dieser Stoffe machen schnelle Hilfe und Prävention besonders schwierig. Neben Aufklärungskampagnen fordern Experten gezieltere Kontrollen im Onlinehandel und auf EU-Ebene koordinierte Verbote, um die Verbreitung einzudämmen.

Schlagwort aus diesem Artikel