Gerade wenn alles zu blühen beginnt, merken viele: Es geht wieder los – jucken in Augen und Nase, Niesattacken, Müdigkeit. Was für einige die schönste Zeit ist, wird für andere ein nervenaufreibender Alltag. Heuschnupfen, jedes Jahr aufs Neue. In der MDR-Dokumentation „Welche Allergie hast Du?“ begleitet Wissenschaftsjournalistin Lena Ganschow Menschen, die unter teils heftigen Allergien leiden: Eine Steuerberaterin etwa, deren Liste an Allergien und Behandlungen schier endlos ist und die nun erstmals richtig durchatmen kann – dank moderner Therapie. Oder ein Landwirt, dessen Heuschnupfen und sogar die Rinderhaarallergie sein berufliches Leben beinahe auf den Kopf stellten. Da ist auch eine junge Frau, die bei jedem Happen Angst haben muss, dass etwas schiefgeht – keine Restaurantbesuche, keine Feierabendeinladungen, immer ein Stückchen Isolation.
Die Doku konzentriert sich stark auf Pollen- und Lebensmittelallergien und nimmt dabei auch die Wissenschaft unter die Lupe. Professorin Claudia Traidl-Hoffmann und Professor Torsten Zuberbier – zwei Größen der Allergieforschung in Deutschland – forschen an den Wechselwirkungen zwischen Umwelt, Lebensweise, Klimawandel und unserer Immunabwehr. Interessant: Forschungen zu Mikroben im Darm rücken moderne Ernährungsgewohnheiten als Mitverursacher in den Fokus.
Lena Ganschow folgt sogar der Pollenforschung bis auf die Dächer von Leipzig, wo spezielle Fallen akribisch dokumentieren, was uns durchs Frühjahr begleitet – und was gleich die nächste Niesattacke auslösen könnte.
Am Ende wird klar: Allergien sind keine simple „Laune“ der Natur, sondern das Ergebnis von unzähligen Einflüssen, die sich gegenseitig hochschaukeln. Die Doku baut aber auch Brücken: Aufklärung, Diagnostik, Vorsorgemaßnahmen und moderne Therapien geben Hoffnung, dass das Thema mehr ist als nur eine tägliche Last.
Allergien betreffen bereits Millionen Deutsche und könnten in den kommenden Jahrzehnten noch stark zunehmen – eine besorgniserregende Entwicklung, die Wissenschaft und Gesellschaft fordert. Die MDR-Dokumentation bietet einen selten so detaillierten Blick auf das Zusammenspiel zwischen Umwelt, Lebensstil, Immunsystem und moderner Forschung, beleuchtet aber auch die echten Sorgen und Hoffnungen der Betroffenen – Menschen, deren Alltag von Allergien geprägt ist. Klimawandel, Urbanisierung sowie Veränderungen in der mikrobiellen Vielfalt unserer Umwelt und unseres Darms werden zunehmend als Hauptfaktoren für die Zunahme allergischer Erkrankungen erkannt; gleichzeitig schreitet die Entwicklung neuer Präventions- und Therapiemöglichkeiten voran (z.B. mikrobiombezogene Ansätze und Präzisionsmedizin), was Betroffenen künftig ganz neue Perspektiven eröffnen könnte.