Streitpunkt Honorar: Die Apotheken machen lautstark auf ihre Situation aufmerksam und verlangen eine spürbare Anhebung ihrer pauschalen Vergütung. Doch die Krankenkassen wiegeln ab – und kontern mit Zahlen: Von 2013 bis 2024 seien ihre Ausgaben für Apotheken um satte 26 Prozent gestiegen, insgesamt um 1,5 Milliarden Euro auf 7,1 Milliarden jährlich. Nicht einmal alle Zusatz-Leistungen wie Rezepturen, Impfungen oder Nacht- und Notdienste seien da schon eingerechnet. Laut Stefanie Stoff-Ahnis vom Kassen-Spitzenverband steigt das Apothekenhonorar sowieso laufend – und das komme am Ende aus den Taschen der Beitragszahlenden. Ihnen zufolge gibt’s für jede abgegebene Arznei-Packung einen prozentualen Aufschlag – und weil die Medikamentenpreise jährlich steigen, gehe’s mit den Honoraren nach oben. Außerdem, so die Argumentation, seien diverse Zuschläge und Boni dazu gekommen, etwa für Nachtdienste oder Botendienste. "Wieder neues Geld für die Apotheken ist sogar schon in Planung, sobald erweiterte Impfmöglichkeiten kommen", so Stoff-Ahnis weiter.
Doch Thomas Preis von der Apothekerschaft sieht die Lage vollkommen anders: "Wir stecken seit 13 Jahren in einem Honorar-Stillstand fest!" Er will, dass die Fixpauschale pro Medikament deutlich steigt – eine Forderung, die zum Teil auf breite Unterstützung trifft. Die Krankenkassen dagegen schlagen eine differenzierte Vergütung vor: Nicht jede Apotheke, vor allem die großen in Städten, brauche automatisch mehr Geld. Umsatzstarke Häuser könnten mit weniger auskommen, argumentiert Stoff-Ahnis, während die kleinen Landapotheken stärkere Unterstützung benötigen. Im Kern dreht sich der Konflikt um die Verteilung – nicht zwingend um eine absolute Erhöhung. Mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung der Honorare – das ist, was die Krankenkassen-Vizechefin fordert.
Die seit Jahren schwelende Debatte zwischen Apotheken und Krankenkassen spitzt sich erneut zu: Während die Apotheken auf scheinbar stagnierende Einkommen pochen, argumentieren die Kassen mit gestiegenen Ausgaben. Im Zentrum steht die Frage, ob die Honorare tatsächlich 'eingefroren' sind oder ob inflationsgetriebene Preissteigerungen und Zusatzleistungen längst für Mehrausgaben sorgen. Recherchen zeigen zudem: Besonders in ländlichen Regionen häufen sich Apothekenschließungen, was die Versorgung und die Dynamik zwischen Umsatz und Leistungsdruck zusätzlich verschärft – viele Apothekeninhaber klagen über wachsende bürokratische Lasten und Personalmangel. Der Streit wird durch den jüngsten bundesweiten Protesttag verschärft, bei dem die Versorgung an vielen Orten eingeschränkt war. Während die Politik über eine Reform grübelt, wächst der Druck auf beide Seiten, eine Lösung für Versorgungssicherheit und fairen Wettbewerb zu finden. Manche Medien berichten inzwischen schon über gröbere Verwerfungen in der Lieferkette und warnen davor, dass die Schere zwischen städtischen und ländlichen Apotheken weiter auseinandergehen könnte.