Apothekenreform: Aufbruch mit Schattenseiten – Hoffnungen und Hürden im Blick

Der aktuelle Gesetzesentwurf zur Modernisierung der Apothekenlandschaft wird von der Bundesapothekerkammer als Schritt nach vorn gesehen – Apotheken sollen gestärkt, ihr heilberuflicher Charakter betont werden. Doch eines bleibt wie so oft ungelöst: die angespannte finanzielle Situation der Apotheken. Beim pharmacon-Fortbildungskongress in Schladming mahnt Kammerpräsident Armin Hoffmann, dass Leistungserweiterungen echte Wertschätzung verdienen – auch finanziell.

19.01.26 08:11 Uhr | 30 mal gelesen

Armin Hoffmann, der Präsident der Bundesapothekerkammer, leitete den diesjährigen pharmacon-Kongress mit deutlichen Worten zur geplanten Apothekenreform ein. Ja, erklärte Hoffmann, die geplanten Neuerungen werten den Berufsstand auf und bieten Chancen, etwa durch verstärkte Beratungsangebote, Medikationsanalysen und eine engere Betreuung chronisch erkrankter Menschen. Doch all diese Visionen nützten wenig, wenn die Finanzierung weiter auf Kante genäht bleibt. 'Wir brauchen Vertrauen in unsere Arbeit, nicht Misstrauen und einen Wust an neuen Formularen', so Hoffmann. Auch kritisierte er den berühmten Reformstau: Gesetzlicher Auftrag und finanzielle Realität klaffen immer weiter auseinander. Das sei kein Pech, sondern das Ergebnis ständiger Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Apotheken. Ohne klare politische Zusagen zur besseren und vor allem dauerhaften Honorierung sieht Hoffmann die geplanten Neuerungen als halben Schritt. Außerdem wehrte er Versuche ab, Apotheken ohne pharmazeutisches Personal zu testen – das sorge für weitere Unsicherheiten und verhindere, dass der Beruf seine heilkundliche Verantwortung ausfüllen könne. Immerhin, kleinere Zugeständnisse in der Gesetzesvorlage zeigen, dass diese Kritik in Berlin inzwischen immerhin ankommt. Doch es bleibt das Gefühl: Der große Wurf ist das noch nicht.

Die Apothekenreform bewegt die Gemüter: Sie wird von Branchenvertretern wie ein Hoffnungsschimmer für eine Stärkung des Berufsbilds wahrgenommen, gleichzeitig bleibt die grundlegende Unterfinanzierung ungelöst. Kritische Stimmen mahnen, dass ohne nachhaltige und unbürokratische Vergütung für neue pharmazeutische Leistungen der angestrebte Paradigmenwechsel ins Leere laufen könnte. Aktuelle Entwicklungen rund um die Apothekenlandschaft zeigen zudem, dass die Branche weiterhin mit den Folgen von Apothekenschließungen, Personalmangel und wachsendem ökonomischem Druck zu kämpfen hat – nicht zuletzt verschärft durch unklare politische Zusagen zur Finanzierung oder den kontrovers diskutierten Vorschlag, Apotheken zeitweise auch ohne zugelassene Apotheker zu betreiben. Recherchen in deutschen Nachrichtenmedien belegen, dass die Lage angespannt bleibt: Laut aktuellen Berichten von taz, FAZ und Zeit schlossen in den ersten Monaten 2024 so viele Apotheken wie seit Jahren nicht mehr; Verbände warnen vor einer drohenden Versorgungslücke im ländlichen Raum; und die lang geforderte Honoraranpassung liegt weiter auf Eis. Trotz einiger Reformelemente scheint das Problem der Unterfinanzierung persistenter denn je zu sein.

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