Bankenchef Sewing: Zinslandschaft bleibt wohl auch 2026 stabil

Christian Sewing, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, sieht die Ära der hohen Teuerungsraten als vorerst beendet – doch grundlegende Zinsveränderungen erwartet er in den nächsten Jahren nicht.

30.12.25 01:02 Uhr | 82 mal gelesen

Also, wenn man Christian Sewing zuhört – dem Mann, der sowohl den Bankenverband anführt als auch die Deutsche Bank lenkt –, spürt man eine spürbare Entspannung, was die Inflation betrifft. In etwa zwei Jahren soll die Preissteigerungsrate laut Sewing relativ unspektakulär bei zwei Prozent einpendeln. Kurze Ausreißer nach unten im kommenden Frühling könnten zwar vorkommen, aber so richtig dauerhaft unter die Zwei-Prozent-Grenze? Das hält er für unwahrscheinlich. Viel Hoffnung auf massive Zinssenkungen macht er nicht. Seiner Prognose zufolge bleibt die Europäische Zentralbank im Jahr 2026 ziemlich unbeeindruckt und schraubt an den Leitzinsen kaum herum – da passiert also, überspitzt gesagt, erst einmal wenig. Man könnte fast meinen, in der Zinswelt herrsche gepflegte Langeweile – zumindest auf Sicht.

Nach Ansicht von Christian Sewing haben wir die Phase der stark erhöhten Inflation nun hinter uns gelassen, wobei sich die Teuerungsrate bis 2026 ziemlich stabil um die Zwei-Prozent-Marke herum bewegen dürfte. Zwar könnten im kommenden Jahr vorübergehend etwas niedrigere Werte auftreten, aber anhaltend niedrige Inflationsraten wie zeitweise in der Vergangenheit hält er nicht für realistisch. Mit Blick auf die Geldpolitik stellt er sich darauf ein, dass die EZB ihren aktuellen Kurs beibehält, größere Zinsschritte sind seiner Meinung nach also weder zu erwarten noch sinnvoll. Interessant in dem Zusammenhang: Die EZB hat kürzlich bereits einen ersten Zinssenkungsschritt vollzogen, bleibt aber mit Blick auf neuerliche Risiken weiterhin vorsichtig und spricht von einer „abschnittsweisen“ Erholung in der Eurozone. Analysen von taz und Spiegel beschäftigen sich aktuell mit Unsicherheiten am Immobilienmarkt durch die zukünftigen Zinsentwicklungen, während die FAZ die Auswirkungen der Zinspolitik auf Sparer und Kreditnehmer betont. Über allem schwebt die Frage, ob geopolitische Verwerfungen oder Überraschungen an den Energie- und Arbeitsmärkten doch noch Dynamik in die Zinslandschaft bringen könnten.

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