Berlinale-Chefin: Keine Spur von Zensur, aber hitzige Debatte um Meinungsfreiheit

Tricia Tuttle, Leiterin der Berlinale, nimmt US-Politiker JD Vance und Tech-Milliardär Elon Musk ins Visier und erläutert ihr persönliches Verständnis von Meinungsfreiheit – deutlich anders, als es die beiden vertreten.

heute 01:04 Uhr | 4 mal gelesen

Manchmal hat man das Gefühl, dass der Begriff 'Meinungsfreiheit' wie ein Gummiband von unterschiedlichsten Menschen in ganz verschiedene Richtungen gezogen wird. So klingt es auch, wenn Berlinale-Chefin Tricia Tuttle in einem Interview betont, wie wichtig freier, respektvoller Austausch auf dem Festival sei. Sie zieht eine klare Linie: Wo Hass oder Diskriminierung im Spiel sind, hört die Toleranz auf. Und ein Augenzwinkern in Richtung JD Vance und Elon Musk – sie erkennt keine Zensurversuche, aber scheinbar setzen manche die Grenze zwischen Meinung und menschenverachtender Rhetorik anderswo. Dass Politiker Druck ausüben könnten, wie viele vielleicht argwöhnen, sieht Tuttle übrigens entspannt: Sie habe zwar viele verschiedene Standpunkte erlebt, aber bislang niemanden, der sich in die Festivalinhalte einmischen oder gar zu verbieten versuchen würde. Im Gegenteil. Über den neuen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer – Nachfolger von Claudia Roth – äußert sie sich sogar vorsichtig optimistisch, trotz seiner eher dünnen Erfahrung in Sachen Film und Kultur. Für sie zählt, ob die Festivalleitung Rückenwind verspürt, sei es von alten Hasen oder Quereinsteigern, und dass der Wille da ist, gemeinsam die Berlinale in die Zukunft zu tragen.

Die Debatte um Zensur und Ausdrucksfreiheit auf der Berlinale ist weiterhin präsent, doch laut Intendantin Tricia Tuttle ist politische Einflussnahme ein bloßes Gespenst – tatsächlich hätten die Verantwortlichen bisher freie Hand. Der Kontroversen – etwa um israelkritische Statements – ist sie sich bewusst, doch sie legt Wert auf eine respektvolle Diskussionskultur und pocht auf die Rolle des Festivals als eigenständige Instanz. Neu hinzugekommen: In den letzten Tagen wurde auf mehreren Plattformen über die strukturelle Unabhängigkeit und die Verantwortung internationaler Festivals debattiert, gerade auch mit Blick auf externe wirtschaftliche und politische Interessen – etwa die Gefahren durch Social-Media-Druck oder gezielte Negativkampagnen. Die Berlinale befindet sich sozusagen am Knotenpunkt von gesellschaftlicher Debatte und Kulturbetrieb, wo Abstufungen von Freiheit permanent neu ausgelotet werden.

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