Manchmal, so scheint es, mangelt es in Konzernzentralen am Gespür für die Bedeutung des eigenen Standorts – zumindest, wenn man Umweltminister Schneider glaubt. Ihm geht die Heimatverbundenheit offenbar etwas ab: 'Ein Hauch mehr Standort-Stolz täte durchaus gut’, ließ Schneider in Richtung Automobilhersteller verlauten. Im Kern meint er damit: Deutschlands Industrie müsse, gerade jetzt, auf eine stabile und nachhaltige Stahlproduktion im Inland setzen. Nicht, weil es einfach ist – sondern weil uns globale Krisen und Abhängigkeiten das Fürchten lehren könnten. Schneider sieht Fördermittel für eine grüne Transformation von Konzernen wie Thyssenkrupp auf dem Weg zu klimafreundlichem Stahl als unerlässlich an – und wünscht sich eine Art 'Kauf europäisch!'-Mentalität, zumindest bei Grundstoffen. Dass manche Unternehmen Stahl-Halbzeuge lieber aus billigeren Ländern wie Saudi-Arabien beziehen wollen, ist für ihn ein Irrweg. Eigentlich logisch, dass auch die Autobranche davon profitieren könnte, wie schon die Bahn mit ihren neuen, europäischen, umweltfreundlichen Schienen zeigt. Nur: Laut Schneider hätten die Autohersteller da noch nicht geliefert. Um dies zu ändern, schlägt er vor, Anreize zu schaffen: Wer künftig etwa noch Plug-in-Hybride verkaufen möchte, könnte die dabei anfallenden Extrakosten an anderer Stelle – zum Beispiel mit dem Einsatz von grünem Stahl – ausgleichen. Einen Konsens sieht er sich damit allerdings nicht überall holen, weiß Schneider – das Thema spaltet.
Carsten Schneider plädiert deutlich für den verstärkten Einsatz von deutschem und europäischem Stahl durch die Autoindustrie, auch um unabhängiger gegenüber Auslandsmärkten zu werden. Er macht sich stark für eine nachhaltige Transformation der Stahlproduktion – Stichwort grüner Wasserstoff – und erprobt mit Vorschlägen wie Emissionsausgleich durch den Einsatz von umweltfreundlichem Stahl neue Wege. Kritische Stimmen aus der Autobranche gibt es, die auf höhere Kosten und mögliche Wettbewerbsnachteile verweisen.
In aktuellen Berichten der FAZ wird auf ein steigendes Interesse an grünem Stahl in der Wirtschaft hingewiesen, insbesondere da neue Umweltauflagen zu einer Umstrukturierung der Lieferketten führen. Die Süddeutsche Zeitung thematisiert außerdem die Diskussion um staatliche Subventionen für die Transformation der Stahlindustrie ebenso wie die wirtschaftliche Unsicherheit durch hohe Energiekosten. Gleichzeitig melden taz und Spiegel, dass die EU-Kommission gerade neue Strategien debattiert, um grüne Schlüsselindustrien wie die Stahlproduktion gezielter zu fördern und Importe klimaschädlicher Produkte zu begrenzen.