BDI rügt die zögerliche deutsche Rohstoffpolitik: Mehr Tempo gefordert

Der BDI schlägt Alarm: Deutschlands Industrieverband sieht eine zu langsame und wenig entschlossene Rohstoffpolitik und warnt vor gravierenden Folgen für Zukunftsbranchen. Trotz politischer Rhetorik mangele es an echter Strategie und Umsetzungswillen.

heute 00:02 Uhr | 1 mal gelesen

Es ist schon ein seltsamer Spagat: Einerseits beteuert die Bundesregierung, wie wichtig Rohstoffe für Innovationen von KI bis E-Autos seien. Doch in der Praxis, so zumindest kritisiert es Wolfgang Niedermark vom BDI, herrscht eher Stillstand. "Reden reicht nicht, es fehlt ein roter Faden", sagt er im Gespräch. Wer vorne dabei sein will—ganz gleich ob im Quanten-Computing oder bei Batterien—kann nicht darauf hoffen, dass Rohstoffsicherheit sich von allein regelt. Aktuell verlasse man sich noch immer zu sehr auf Importe und sei damit geopolitischen Risiken ausgeliefert. Niedermark fordert deutlich: "Wir brauchen Spielregeln, bei denen Deutschland nicht nur passiv Rohstoffe abnimmt, sondern auch eigene Reserven nutzt und Wertschöpfung vor Ort hält." Es hake an hohen Energiekosten, zu viel Papierkrieg und fehlenden Anreizen für Recycling oder innovative Gewinnung non existierender Rohstoffe im Inland. Sonst bleibe die industrielle Basis brüchig. Europa, so meint er, scheint zwischen China mit seiner knallharten Rohstoffstrategie und den USA, die nahezu mit Geld und Garantien um Rohstoffprojekte buhlen, geradezu träge – so könne man im internationalen Vergleich nicht mithalten. Niedermark verweist zustimmend auf die drastischen US-Vorgaben, keine chinesische Batterien mehr für Militärgüter zuzulassen: "Solche klaren Richtungsentscheidungen fehlen hierzulande." Ein Selbstläufer wird das nicht, meint er, aber der Verteidigungshaushalt eröffne Möglichkeiten für mutigere Impulse. Ob das alles so einfach ist? Man spürt zwischen den Zeilen: Dem BDI ist Zweifel und Druck gleichermaßen anzumerken.

Die Debatte um kritische Rohstoffe nimmt Fahrt auf, getrieben durch zunehmend unsichere Lieferketten und geopolitische Rivalitäten. Der BDI sieht Deutschland, und mehr noch Europa, im Nachteil: Während andere Staaten längst mit harten Vorgaben, Subventionen und Reservestrategien agieren, verzettelt man sich hierzulande im Klein-Klein und bürokratischen Hemmnissen. Besonders brisant: Studien und neue Medienberichte warnen seit Jahren, dass essenzielle Materialien wie Lithium, Seltene Erden oder Kupfer für den Umbau der Wirtschaft dringend gesichert werden müssten—doch bislang bleiben ambitionierte Industrieträume oft bloße Pläne, weil eben die Versorgungsbasis wackelt. Neue Entwicklungen zeigen: Erste Vorhaben für Rohstoffförderung in Deutschland (z.B. im Erzgebirge) stoßen auf Widerstand und langwierige Genehmigungsprozesse, während zeitgleich Länder wie Kanada, Australien oder die USA massiv investieren und Genehmigungen beschleunigen. Der Ruf nach weniger Bürokratie und mehr Verbindlichkeit wird lauter, unterstützt durch aktuelle Empfehlungen der OECD und der EU, die Strategien für Versorgungssicherheit fordern. Ein kurzer Blick auf die globalen Verteilungskämpfe zeigt, wie entscheidend Tempo hier künftig sein dürfte.

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