Es ist schon bemerkenswert, wie sich die Wahrnehmung selbst kleinster Verschiebungen im sicherheitspolitischen Weltbild ändern kann – Franziska Brantner bringt es tatsächlich ziemlich gut auf den Punkt: Deutschland gibt deutlich mehr für seine Bundeswehr aus, und während das hierzulande als längst überfällig gilt, schlagen in Paris, Warschau oder Prag womöglich ganz andere Töne an. Der Bundeskanzler wolle künftig die größte Armee Europas stellen, so Brantner, und das wecke bei unseren Nachbarn Erinnerungen – nicht unbedingt angenehme. Sie erinnere daran, wie tief die Furcht vor einem 'zu starken Deutschland' vielen anderen Ländern noch in den Knochen steckt. Und dann: Die Amerikaner ziehen sich zurück, die USA stehen nicht mehr wie selbstverständlich schützend daneben – was, wenn Deutschland dann plötzlich im Mittelpunkt steht? Die Grünenpolitikerin findet, dass ihrer Generation manchmal das Gefühl dafür fehlt, welch‘ sensibles Thema das ist. Da draußen, so formuliert sie sinngemäß, wollen die Leute ein mächtiges, aber nie ein isoliertes Deutschland – keine Alleingänge, schon gar nicht aus historischen Gründen. Vielleicht müssten deutsche Politiker häufiger daran erinnert werden. Es klingt fast wie ein Mantra: 'Nie wieder allein.' Ein Gedanke, der altmodisch, fast kitschig wirken könnte – und doch, angesichts der aktuellen Weltlage, ist da wohl mehr Wahrheit drin, als einem lieb ist.
Brantners Äußerung spiegelt ein grundsätzlich angespanntes Verhältnis vieler europäischer Nachbarn zur deutschen Militärpolitik wider. Gerade inmitten des Ukraine-Kriegs und der Debatten um Selbstverteidigungsfähigkeiten scheint die Sorge vor einem dominanten Deutschland alte Reflexe zu wecken – das zeigen sowohl neue politische Konstellationen als auch aktuelle Artikeldiskussionen rund um Deutschlands Rolle in der NATO und EU. So diskutieren Medien wie die ZEIT und die Süddeutsche etwa darüber, wie feinsinnig diplomatisches Fingerspitzengefühl gefragt ist, um Vertrauen und Partnerschaften in Europa aufrechtzuerhalten. Zudem wurde diese Woche immer wieder betont, dass viele europäische Länder – von den Balten bis nach Frankreich – einerseits auf ein wehrhaftes Deutschland setzen, andererseits aber eine Renaissance nationaler Alleingänge mit großer Skepsis beobachten, wie die aktuelle Berichterstattung unterstreicht.