Mitten in eisigen Schneeverwehungen am Rande des Polarkreises, irgendwo in Norwegens Norden, stellte sich John Healey, der neue britische Verteidigungsminister, den Fragen der Presse – und hatte gleich eine gewichtige Ankündigung im Gepäck: Großbritannien werde die Zahl seiner in Norwegen stationierten Soldaten praktisch verdoppeln. Die NATO-Mission trägt den bezeichnenden Namen "Arctic Sentry", was ja schon fast nach einem neuen Roman klingt, aber das Risiko, über das Healey spricht, ist durchaus real.
Nach britischer Einschätzung hat sich die sicherheitspolitische Lage am nördlichen Rand Europas dramatisch gewandelt. Healey wies explizit auf Russlands Aktivitäten in der Arktis hin und darauf, dass sich das Ringen um strategische Kontrolle dort wieder verstärkt – fast schon eine Neuauflage des Kalten Kriegs, meint man. Putins Truppen und Infrastruktur sind für Healey mehr als bloße Drohkulissen: Moskaus Wiederinbetriebnahme alter Militärbasen in der Gegend lässt bei London die Alarmglocken läuten.
Doch nicht nur Soldaten werden verlegt. Die Briten setzen ebenso stark auf multinationale Übungen mit ihren NATO-Partnern, etwa bei den Manövern "Cold Response" und "Lion Protector". Diese Trainings laufen teils schon, ausdrücklich mit dem Ziel, den Zusammenhalt und die Abschreckungsfähigkeit der Allianz im frostigen Norden zu schärfen. Die Botschaft ist deutlich: "Wir trainieren zusammen, schrecken gemeinsam ab – und sollten wir müssen, stehen wir auch gemeinsam im Gefecht", so Healey. Es ist eine Strategie, die auf Kooperation, Stärke – und wohl auch auf ein kleines bisschen Resilienz gegenüber dem eisigen Wetter setzt (die Royal Marines im Camp Viking dürfte Letzteres ohnehin kaum schrecken). Beeindruckend, wie beides – geopolitische Strategie und absolute Kälte – an dieser Front aufeinanderprallen.
London setzt verstärkt auf militärische Präsenz im hohen Norden Europas: In den kommenden drei Jahren will Großbritannien die Zahl seiner Soldaten in Norwegen auf 2.000 erhöhen und seine Beteiligung an der neuen NATO-Mission "Arctic Sentry" ausbauen. Hintergrund ist die Besorgnis über die zunehmende russische Aktivität in der Arktis, darunter das Wiederhochfahren alter Militärstützpunkte aus der Zeit des Kalten Kriegs und die damit verbundene geopolitische Spannung. Der Schritt wird flankiert durch groß angelegte multinationale Übungen mit anderen NATO-Partnern; das Ziel ist, das Bündnis im Nordatlantik robuster, flexibler und abschreckender gegenüber möglichen Aggressoren aufzustellen. Die Entscheidung für eine stärke Truppenpräsenz wurde in britischen und norwegischen Medien unterschiedlich bewertet: Während britische Kommentatoren den Schritt als konsequente Sicherheitsmaßnahme loben, äußern sich einige norwegische Stimmen vorsichtig und mahnen zur engen diplomatischen Abstimmung im Bündnis. Laut taz (07.06.2024) gibt es in Norwegen bewusst auch Skepsis gegenüber einer ständigen Hochrüstung am Polarkreis, während britische Medien (z.B. The Guardian) das Signal an Russland und die Stärkung der NATO hervorheben. Norwegen selbst hat in den letzten Monaten seine Zusammenarbeit mit anderen nordischen Staaten und den USA ebenfalls intensiviert – ein sichtbarer Trend zur strategischen Vernetzung in der Arktisregion.