Unsichtbares Firmensterben: Warum immer mehr gesunde Unternehmen ohne Nachfolge verschwinden

Wirtschaftlich stabil, volle Auftragsbücher – und doch machen viele Betriebe dicht. Woran liegt das? Oft ist es der fehlende Nachwuchs an der Spitze, nicht mangelnde Rentabilität. Laut KfW ringt fast jedes vierte Unternehmen mit dem Gedanken, den Laden zuzusperren – im Schnitt betrifft das bis 2029 rund 114.000 Betriebe jährlich. Das Durchschnittsalter der Chefinnen und Chefs? Deutlich über 54.

heute 10:28 Uhr | 1 mal gelesen

Viel zu selten liegt es an zu wenig Gewinn, wenn Unternehmen schließen. Es hapert meist an der Nachfolge und, noch grundlegender, an der Vorbereitung auf einen Wechsel. Wer erst kurz vor Schluss hektisch Unterlagen zusammensucht oder wichtige Abläufe nicht dokumentiert hat, steht plötzlich ohne Perspektive da. Betriebe mit solider Planung ziehen eher passende Übernehmer an – und erzielen fast immer bessere Konditionen beim Verkauf. Eine Entscheidung, die mehr mit Menschen als mit Zahlen zu tun hat In den Medien klingt die Geschäftsaufgabe oft wie ein Scheitern am Markt oder am Umsatz. Dabei sehen die Zahlen etlicher Betriebe ganz ordentlich aus: Stammkundschaft, loyale Belegschaft, kaum Schulden. Das Hauptproblem ist inzwischen eher das Alter der Unternehmer – viele denken ans Aufhören, weil die Rente immer näher rückt. Familienbetriebe ohne geeigneten Nachwuchs stehen dann vor der Wahl: Aufwendige Übergabe auf dem freien Markt oder doch gleich dicht machen? Bürokratie und Unsicherheit schrecken ab Wer einen Nachfolger sucht, muss sich durch Paragraphen kämpfen: Steuern, Haftung, Gesellschaftsrecht – plus jede Menge Akten. Vor allem für kleinere Betriebe wirkt das wie ein unüberwindbarer Berg. Manch einer sagt dann: "Bevor ich mich jahrelang herumquäle, mache ich lieber ordentlich zu." Der Märchenonkel hat Unrecht: Nicht immer findet sich ein Nachfolger Der Mythos vom gesunden Unternehmen, das immer einen Käufer findet, stimmt längst nicht mehr. Die Zahl der Interessenten wird kleiner, die Anforderungen an Nachfolger immer höher. Und viele Betriebe sind so stark auf die Inhaber zugeschnitten, dass ein externer Käufer zurückschreckt: Wo alles Chefsache ist, gibt es kaum Übergangssicherheit. Fehlt dann die klarere Struktur – etwa eine erfahrene zweite Führungsebene – wird das zum K.o.-Kriterium. Vorsorge? Mehr als Zahlen auf Hochglanz bringen Nachfolgen mit Happy End starten nicht mit der Käufersuche, sondern Jahre vorher. Wer rechtzeitig Prozesse dokumentiert, Verantwortung teilt und das Unternehmen von der eigenen Person löst, hat bessere Karten. Interessenten honorieren solche Professionalität mit mehr Vertrauen und – manchmal wichtiger – mit einem besseren Angebot. Kurz: Vorbereitung macht aus einer nervigen Phase einen echten Werttreiber. Nachfolge – kein letzter Akt, sondern Weichenstellung für die Zukunft Wenn Betriebe dichtmachen, ist das oft weniger ein Problem ihres Geschäfts, sondern ihrer Planung. Nachfolge sollte keine hektische Notlösung, sondern eine Strategie sein, die das Unternehmen fit fürs Morgen macht. Wer früh plant, schützt Jobs, Wertschöpfung und das eigene Lebenswerk vor dem Aus. Nicht immer bleibt eine andere Lösung – mitunter ist Schließen richtig. Aber am besten wird es eine bewusste Entscheidung, nicht das Resultat von Zeitdruck und Unsicherheit. Über die Autoren: Fabian Zamzau und Michael Polit leiten die Otter Consult GmbH und helfen Unternehmen bei der Nachfolgesuche und beim Verkauf. Ihr Team begleitet Chefs durch die komplexen Schritte bis zur erfolgreichen Übergabe. Mehr dazu unter: https://otterconsult.de/ Kontakt: Beratung@otterconsult.de Original-Content von Otter Consult GmbH, übermittelt via news aktuell.

Viele solide Unternehmen schließen wegen fehlender Nachfolge, nicht wegen wirtschaftlicher Notlage. Die größten Hürden sind dabei nicht die Rentabilität, sondern mangelnde Vorbereitung, bürokratische Hemmnisse und die wachsende Unsicherheit bei Übergabeprozessen. Besonders kleine und mittelständische Betriebe fühlen sich vom Aufwand einer geregelten Nachfolge überfordert, zumal die Zahl potenzieller Übernehmer schrumpft und familiäre Lösungen seltener werden. Laut aktuellen Recherchen werden in Deutschland pro Jahr durchschnittlich etwa 100.000 Betriebe stillgelegt; in etwa der Hälfte dieser Fälle besteht eigentlich keine wirtschaftliche Notwendigkeit, vielmehr scheitert die Weitergabe aufgrund struktureller oder persönlicher Engpässe. Neueste Studien von KfW und IfM Bonn betonen, dass gezielte Nachfolgevorbereitung, transparente Strukturen und eine frühzeitige Planung die Chancen auf eine erfolgreiche Übergabe signifikant erhöhen – zum Erhalt von Arbeitsplätzen und regionalem Unternehmertum. Verstärkt wird die Problematik, weil auch politisch und gesellschaftlich bislang wenig Unterstützung beim Thema Unternehmensnachfolge sichtbar ist, wie verschiedene marktnahe Verbände kritisieren. Im Zuge der demografischen Entwicklung werden diese Herausforderungen sich weiter zuspitzen, wenn kein Umdenken einsetzt.

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