Man stelle sich vor: Jemand, der gerade aktiv einen Job sucht oder schon fast eine neue Stelle sicher hat, soll stattdessen in eine Arbeitsgelegenheit gezwungen werden – ist das nicht wie, mit angezogener Handbremse Auto fahren? Genau davor warnt Joachim Wolff vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und sieht wenig Nutzen, falls Bürgergeldempfänger, die ohnehin auf Jobsuche sind, zu gemeinnützigen Tätigkeiten verpflichtet würden.
Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte vom Institut der deutschen Wirtschaft, gesteht dem Vorstoß immerhin einen ökonomischen Anreiz zu: Wer für Bürgergeld arbeiten müsse, hätte wohl mehr Motivation, reguläre Arbeit zu finden. Klingt logisch, aber – schwierig. Problem eins: Es müsste erst eine riesige Zahl an passenden Jobs geschaffen werden. Und da kann schon mal das klassische Problem auftreten, dass neue „Stellen“ in Kommunen oder gemeinnützigen Trägern am Ende private Unternehmen ausbooten.
Noch ein Haken: Gemeinden profitieren von der zusätzlichen Arbeitskraft, während der Bund die ganze Zeche zahlt, wie Schäfer zu bedenken gibt. Außerdem haben Erfahrungen mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gezeigt – die führen oft nicht zu einer dauerhaften Integration in die Arbeitswelt.
Achim Brötel, Präsident des Deutschen Landkreistags, merkt an, dass es das Instrument der 'Arbeitsgelegenheiten' eigentlich längst gibt. Das werde vor allem bei Asylbewerbern genutzt – mit teils positiver Wirkung auf Tagesstruktur und Beschäftigungsfähigkeit. Trotzdem: Die geltenden rechtlichen Hürden bei der Umsetzung sind hoch, und Brötel findet, dass es zumindest in diesem Punkt Nachbesserungen braucht.
Die Diskussion um Bürgergeld als Gegenleistung für gemeinnützige Arbeit gewinnt erneut Fahrt. Während Politiker wie Sven Schulze (CDU) eine Verknüpfung fordern, begegnen Ökonomen und Kommunalvertreter dem Vorschlag mit Zurückhaltung. Belastbare wissenschaftliche Untersuchungen, etwa vom IAB oder dem ifo Institut, weisen darauf hin, dass Arbeitsgelegenheiten (sogenannte 'Ein-Euro-Jobs') selten als Eintrittskarte in reguläre Beschäftigung dienen. Noch gravierender: Neuere Analysen mahnen, dass Zwangsmaßnahmen bei ohnehin motivierten Arbeitslosen kontraproduktiv seien und oft mehr Frustration als Fortschritt stiften. Zeitgleich verschärft sich bundesweit die Debatte um das Bürgergeld: Landespolitiker sehen eine gerechte Balance zwischen Fördern und Fordern, Sozialverbände fürchten Verschärfungen auf dem Rücken der Ärmsten. Überlagert wird die Diskussion durch aktuelle Zahlen: Die Zahl der offenen Stellen stagniert, während der Fachkräftemangel anhält – laut aktuellen Berichten von der Bundesagentur für Arbeit fehlen in vielen Sektoren motivierte Mitarbeiter, zugleich steigt der Druck auf das Sozialsystem. Entscheidend bleibt daher die Frage, wie der Spießrutenlauf zwischen sozialer Sicherung, Motivation und tatsächlichen Jobchancen gelingen kann. (Quellen: z.B. www.iab.de, www.ifo.de, www.arbeitsagentur.de)