Schwindendes Vertrauen des Mittelstands in die Klimapolitik: Stimmen vom Führungstreffen in Essen

Münster/Essen – Der deutsche Mittelstand, traditionell Rückgrat der Wirtschaft, fühlt sich zunehmend ausgebremst bei der Umstellung auf grüne Technologien. Thomas Perkmann, Chef der Westfalen-Gruppe, bringt beim Führungstreffen Energie im Rahmen der E-World in Essen seine Sorge zum Ausdruck: Gerade kleinere Unternehmen zögern mit klimafreundlichen Investitionen – aus ganz konkreten Gründen.

heute 18:20 Uhr | 3 mal gelesen

Eigentlich ist es bekannt: Wenn die Energiewende in Deutschland gelingen soll, muss der Mittelstand mitziehen. Aber von Aufbruchsstimmung ist bei vielen Unternehmern derzeit wenig zu spüren. Thomas Perkmann, der Vorstandsvorsitzende der Westfalen-Gruppe, beschreibt die Situation schlicht: Die Unsicherheit wächst. "Unsere Kunden berichten uns immer wieder von undurchschaubaren Förderprogrammen oder politischen Regeln, die sich zu schnell ändern – das macht Investitionen zu einem Risiko", sagt er vor Vertretern aus Energiebranche und Politik. Viele befürchten zudem weiterhin hohe Energiepreise, vor allem im Vergleich zum europäischen Ausland. Kein Wunder also, dass die Zahlungsbereitschaft für Lösungen mit Klimafokus gering bleibt und sich die Nachfrage nach zukunftsweisenden Produkten – wie zum Beispiel grünem Wasserstoff – bisher mehr in Nischen abspielt als in der Breite. Spannend wird es, wenn Perkmann von den eigenen Zielen berichtet: Westfalen wollte ursprünglich eine halbe Milliarde Euro in innovative Geschäftsfelder stecken, muss aber nun anerkennen, dass das Tempo an manchen Stellen langsamer ist als erhofft. "Gerade beim Wasserstoff sehen wir viele Potenziale, aber aktuell ist das alles noch ziemlich teuer und nicht im nötigen Maßstab verfügbar." Doch nicht alles ist so düster: Elektromobilität bei Pkw sei inzwischen gesetzt, bei großen Nutzfahrzeugen ist nach Perkmanns Einschätzung aber noch vieles offen. Die Wärmepumpe als zentrale Technologie wird ebenfalls (wieder einmal) von politischen Debatten, etwa um das Gebäudeenergiegesetz, ausgebremst. Die Unsicherheiten fressen sich in die Einschätzung der Unternehmen – kein Wunder, wenn der Appetit auf Investitionen „überschaubar“ bleibt. Das Fazit des Westfalen-Chefs ist trocken: „Am Ende brauchen wir Planbarkeit, Klarheit und Rahmenbedingungen, die auch standhalten. Nur so werden neue Investitionen in klimafreundliche Technologien für den Mittelstand wirklich massentauglich."

Die Unzufriedenheit mittelständischer Unternehmen über die politische Unterstützung bei der Energiewende wächst, vor allem angesichts hoher Energiekosten und wechselhafter gesetzlicher Vorgaben. Zwar gibt es Fortschritte, zum Beispiel bei der Elektromobilität von Pkw, doch viele Betriebe empfinden die Förderstrukturen als zu bürokratisch und die Perspektiven als zu unsicher. Hinzu kommt, dass aktuelle Marktentwicklungen – wie die Verzögerungen im Bereich Wasserstoff oder die schwankende Nachfrage nach Wärmepumpen – die Transformationsziele vieler Unternehmen gefährden. Zusätzlich berichten aktuelle Recherchen davon, dass auch die angekündigten EU-Konsequenzen im Bereich Klimaschutz Druck auf Deutschland ausüben. Nach Einschätzung von Experten ist die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts eng mit einer konsequenten und verlässlichen Energiepolitik verbunden. Gleichzeitig fordern immer mehr Stimmen aus dem Mittelstand gezielte Entlastungen bei Energiepreisen und klare politische Signale für Investitionen in nachhaltige Technologien.

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