Wenn man ehrlich ist – die Bundeswehr hat in den letzten Jahren ständig Nachholbedarf gehabt. Jetzt soll das anders werden, zumindest wenn es nach dem Bundesverteidigungsministerium geht. Drei Schritte, so beschreibt es Jens Plötner, der für Rüstung zuständige Staatssekretär, will man gemeinsam mit der Industrie gehen: Zuerst geht’s wie gehabt um das Aufstocken der Bestände. Altbekannt, aber dringend nötig. Danach soll, und das ist neu, auf Vorrat produziert werden, allerdings beim Hersteller selbst. Das hat auch den Charme, dass technische Updates direkt einfließen können, so verliert man nicht gleich den Anschluss. Und schließlich will das Ministerium Rahmenverträge aufsetzen, die sicherstellen, dass – im Fall der Fälle – Produktionskapazitäten blitzschnell hochgefahren werden. Als praktisches Beispiel nennt Plötner Munition und Drohnen. Allerdings: Auch die Rüstungskonzerne sollen hier mitziehen und mitdenken.
Interessant ist auch, dass man diese Herangehensweise vielleicht bald auf größere Waffen übertragen will – denken wir an Schützenpanzer. Plötner betont, wie wichtig Flexibilität ist, gerade falls sich technische Anforderungen ändern. Klare Ansage: So etwas wie den fast vollständigen Abbau der Produktionskapazitäten vergangener Tage, das darf sich nicht wiederholen. Wer träumt, Waffensysteme ließen sich à la Ikea einfach schnell zusammenkaufen, wird enttäuscht: So läuft es eben nicht. Das gibt auch Plötner zu. Dass die Rüstungsbranche seit den späten Achtzigern dermaßen geschrumpft ist, lässt sich nun nicht im Hauruck-Verfahren reparieren. Hoffnung gibt’s dennoch, denn noch dieses Jahr rechnet das Ministerium mit ersten größeren Lieferungen.
Das Verteidigungsministerium plant, mit sogenannten Vorhalteverträgen systematisch dafür zu sorgen, dass im Krisen- oder Verteidigungsfall ausreichend militärische Ausrüstung verfügbar ist. Dabei setzt man auf eine Dreistufenstrategie: Erst wird der aktuelle Bedarf gedeckt, dann hält die Industrie kontinuierlich Vorräte bereit – inklusive regelmäßiger technischer Aktualisierungen – und im letzten Schritt ermöglicht eine vertraglich garantierte Reservekapazität einen schnellen Hochlauf der Produktion bei Bedarf. Besonders im Fokus stehen Drohnen und Munition, doch perspektivisch könnten auch komplexe Systeme wie Schützenpanzer so abgesichert werden; entscheidend ist hierbei aber eine enge Zusammenarbeit mit der stark geschrumpften deutschen Rüstungsindustrie, deren Wiederaufbau Zeit und politische Klarheit benötigt.
Laut aktuellen Recherchen ist das Thema Versorgungssicherheit und Ausbau der Wehrtechnik auch international präsent, da viele europäische Länder nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ihre Kapazitäten erhöhen. Branchenseitig wird außerdem diskutiert, inwiefern die deutsche Rüstungsindustrie langfristig wettbewerbsfähiger und innovativer aufgestellt werden kann – einschließlich neuer Allianzen in Europa sowie digitalisierter Fertigung. Nebenbei wurde bekannt, dass Frankreich ähnliche Konzepte plant und Vorhalteverträge als Win-win-Modell betrachtet, allerdings auch Sorgen über Abhängigkeiten und Transparenzpflichten äußert.