Susumu Kitagawa von der Universität Kyoto, Richard Robson aus Melbourne und Omar Yaghi von der University of California, Berkeley – das sind die Namen, die am Mittwoch von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften durchs weltweite Scheinwerferlicht getragen wurden. Ihre Arbeit? Komplex, originell und irgendwie auch mit dieser gewissen Pionierlust behaftet: Sie haben sogenannte metallorganische Gerüste gebaut – eine Art chemischer Lego-Burg, riesig auf molekularer Ebene und durchsetzt von Hohlräumen, die zur Speicherung, zum Transport und zur Separation von Gasen genutzt werden können. Besonders spannend: Mit ihrer Technologie lassen sich beispielsweise aus trockener Wüstenluft Wassermoleküle 'ernten' – ein Gedanke, der fast nach Science-Fiction klingt, aber nun real wird.
Die Schwedische Akademie lobte insbesondere die Vielseitigkeit: Neben der Abscheidung von CO2 oder der Neutralisierung giftiger Gase taugen diese Strukturen auch als Katalysator für verschiedene Reaktionen in der chemischen Industrie. Gerade die stets wachsenden globalen Herausforderungen rund um Wasserknappheit und Klimawandel erhalten durch diese Innovation plötzlich handfeste Gegenargumente. Was auf den ersten Blick ein typisch akademisches Thema ist, steckt voller Kraft für sehr praktische, zupackende Lösungen. (Kleine Randbemerkung: Der Ablauf der Nobelpreis-Bekanntmachungen bleibt recht traditionsbewusst – geradezu ritualisiert reiht sich ein Fachgebiet ans nächste, als hätte Nobel selbst einen in Ewigkeiten geregelten Stundenplan geschrieben.)
Und während die Medizin- und Physikpreise schon im Vorfeld verkündet wurden – übrigens diesmal für Erkenntnisse rund um Immunreaktionen sowie Quantenphysik – bleibt abzuwarten, wer den Literaturnobelpreis abräumt. Der Friedensnobelpreis wird wie immer feierlich im norwegischen Oslo verliehen, während die anderen Auszeichnungen in der schwedischen Hauptstadt Stockholm bleiben. Die Nobelpreise – immer wieder ein Ritual des Staunens und der Besinnung auf wirklich große Ideen.
Die Würdigung Kitagawas, Robsons und Yaghis für ihre Entwicklung der metallorganischen Gerüste (MOF) spiegelt den Paradigmenwechsel in der Materialchemie wider – von der bloßen Analyse zur aktiven Gestaltung von Materialien mit zuvor undenkbaren Eigenschaften. Ihre Forschung ermöglicht es, kleinste Mengen von Wasser selbst aus extrem trockener Umgebung einzufangen und könnte so, etwa in ariden Regionen, Perspektiven für die Bewältigung von Wasserknappheit eröffnen. Ihre Spielerfahrung mit molekularen Bausteinen dient mittlerweile als Vorlage für zahlreiche weitere Anwendungen, von der umweltfreundlichen Energiegewinnung bis zum Recycling von Luftschadstoffen. Weitere Pressestimmen berichten zudem, dass diese Innovationen direkt zu Partnerschaften mit Start-ups und Forschungseinrichtungen führen, die an Lösungen für konkrete ökologische Probleme arbeiten.