Tino Chrupalla, Chef der AfD, trat im ARD-Sommergespräch auf und gab sich uneinsichtig angesichts der Debatte um den Klimawandel. Seiner Erfahrung nach, so sagte Chrupalla sinngemäß, begegneten ihm bei Bürgergesprächen ganz andere Sorgen: etwa die Energiepreise, kriegerische Konflikte in Europa oder die Rentenhöhe – das Klima werde aus seiner Sicht von der Bundesregierung instrumentalisiert. Er nutzte den Begriff "Panikmache" und betonte: „Für mich war das einfach ein ganz normaler Sommer.“ Die Klimapolitik der Regierung hält er für einen Vorwand, um Bürger wirtschaftlich zu belasten und über CO2-Abgaben zusätzlich zur Kasse zu bitten.
Was Lösungen angeht, geht er pragmatisch vor: mehr Klimaanlagen, öffentliche Kühlräume, verstärkte Aufforstungen und ein Stopp der Rodung von Wäldern für Windkraftanlagen. Besonders letzteres treibt ihn um, da er Windenergie kritisch sieht.
Mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt schob Chrupalla die Verantwortung für Regierungsfragen an den Landesverband – sinngemäß: Der Spitzenkandidat Ulrich Siegmund solle sein Vorgehen selbst bestimmen. Koalitionsoptionen ließ er offen, die absolute Mehrheit hielt er für das Wahlziel – wobei er selbst die Bereitschaft betonte, mit allen konstruktiven Kräften zu sprechen. Gleichzeitig verteidigte Chrupalla Überlegungen zu einer Bürgerwacht, solange die Polizei unterbesetzt bleibe. Für die Bürgerwacht sei ein einwandfreies Führungszeugnis nötig, betonte Chrupalla, doch kritische Stimmen – etwa von der Deutschen Polizeigewerkschaft – stören ihn wenig. Sie sehen das Risiko von Übergriffen oder mangelnder Professionalität, doch er verweist auf Sicherheitsfirmen, die derartige Aufgaben längst erfüllen.
Tino Chrupalla sieht den Klimawandel weiterhin nicht als politisch vordringlich an und betont stattdessen soziale und wirtschaftliche Themen wie Energiepreise und Renten. Die Bundesregierung wirft er vor, den Klimawandel als Vorwand für zusätzliche finanzielle Belastungen zu nutzen. Ein kurzer Blick auf aktuelle Entwicklungen zeigt aber: Laut Umfragen wächst in der Bevölkerung die Sorge um Extremwetter und Klimafolgen, was sich beispielsweise in der verstärkten Berichterstattung über Dürren, Überschwemmungen und Hitzerekorde in Europa widerspiegelt. Während Chrupalla Anpassung in Form von technischen Maßnahmen bevorzugt, fordern Klimaforscher verstärkte Präventionspolitik und strukturelle Veränderungen. Auch europaweit wird der Umgang mit dem Klimawandel zunehmend zum Wahlkampfthema, wobei vor allem rechte Parteien wie die AfD und ihre Partner in der EU die Klimapolitik als "Kulturkampf" auslegen – eine in der Wissenschaft kritisch gesehene Entwicklung.