Dirk Willer, der bei der Citigroup die Bereiche Makroökonomie und Asset-Allocation verantwortet, sieht den KI-Boom an den Aktienmärkten keineswegs am Ende. "Auch wenn viele befürchten, die KI-Euphorie könnte bald verpuffen – ich erkenne noch keine Ermüdungserscheinungen", äußerte er im Gespräch mit dem Handelsblatt-Invest-Podcast. Willer hat, und das ist vielleicht entscheidend, schon die bunten und teils chaotischen Zeiten der Dotcom-Blase live an der Wall Street mitbekommen. "Faszinierende Technologien tendieren dazu, die Fantasie – und das Kapital – der Anleger besonders stark zu beflügeln", gibt er zu bedenken. Also, so sein Rat: Wenn Tech-Aktien boomen, neigen viele zu Übermut. Viel Geld findet wenig Widerstand. Aber, und diesen warnenden Nachsatz schiebt er noch hinterher, ein Platzen solch einer Tech-Blase reißt üblicherweise fast alles unter sich: "Diversifizieren ist sinnvoll, aber Illusionen sollte man sich keine machen."
Der Boom rund um Künstliche Intelligenz treibt die Kurse an den Börsen weiterhin deutlich nach oben, wie auch andere Analysten zuletzt übereinstimmend betonen. Unternehmen wie Nvidia, Microsoft oder Alphabet profitieren von enormen Investitionen in KI-Technologien; allein im ersten Quartal 2024 sind KI-bezogene Aktien überdurchschnittlich stark gestiegen. Zugleich warnen Experten davor, die Risiken von Überbewertungen zu unterschätzen: Trotz positiver Wachstumsaussichten könnten Enttäuschungen bei KI-Entwicklungen – oder regulatorische Eingriffe – spürbare Rückschläge an den Märkten auslösen.