Hohm betrachtet es als essenziell, dass Mitglieder der AfD auch weiterhin mit kontroversen Akteuren wie Martin Sellner in öffentlichen Debatten auftreten dürfen – dies äußerte er im Gespräch mit der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' (Donnerstagsausgabe). Ein genereller Kontakt-Stopp sei nach Ansicht Hohms zum einen kaum umsetzbar, zum anderen erachtet er ihn als grundsätzlich falsch.
Der AfD-Bundesvorstand hatte am vergangenen Montag noch einmal offiziell betont, dass keine AfD-Veranstaltungen mit Sellner stattfinden sollten und dazu zwei Positionspapiere zu den Begriffen "Remigration" und "deutsches Staatsvolk" veröffentlicht. Offenbar wollte die Parteispitze damit für mehr Distanz sorgen, ohne jedoch Anhänger Sellners direkt zu verprellen – wie aus Partei-Insiderkreisen durch die FAZ bekannt wurde. Der Beschluss erlaubt es jedoch anscheinend weiterhin, dass Fraktionsveranstaltungen oder öffentliche Debatten, zu denen Sellner einlädt, möglich bleiben.
Interessant: Hohm – selbst Landtagsabgeordneter in Brandenburg – plant solche Zusammenkünfte mit Sellner aktuell nicht, wie er gegenüber der FAZ klarstellt. Auch Veranstaltungen wie jene von Lena Kotré, die Anfang des Jahres Sellners Einladung folgte, seien bei ihm oder 'Generation Deutschland' momentan kein Thema. Speziell begründet Hohm seinen Verzicht aber nicht mit Sellners Inhalten, sondern verweist auf eine "Arbeitsteilung" zwischen Partei und sogenanntem Vorfeld: Projekte im vorpolitischen Raum und parteipolitisches Engagement hätten jeweils unterschiedliche Funktionen im "patriotischen Mosaik" – ein Vergleich, der derzeit in der Szene verbreitet ist. Die These: Aktivisten könnten den Rahmen des gesellschaftlich Sagbaren verschieben, wovon die Partei später profitieren dürfte.
Im Kern steht die Diskussion um den Umgang der AfD mit rechten Aktivisten wie Martin Sellner: Der AfD-Parteivorstand versucht zwar, eine offizielle Distanz zu wahren, überlässt aber im Kleingedruckten weiterhin gewisse Spielräume für Kontakte – ein Balanceakt, um interne Konflikte zu vermeiden. Hohm betont, dass eine vollständige Trennung weder durchzusetzen noch zielführend sei und plädiert stattdessen für eine klare Rollenverteilung zwischen Partei und außerparlamentarischem Vorfeld, indem er dieses Zusammenspiel als 'patriotisches Mosaik' beschreibt. Neuere Recherchen zeigen: Die Distanzierungs-Beschlüsse waren das Ergebnis erheblicher interner Debatten, bei denen Teile der Mitgliedschaft für eine radikalere Linie plädierten, während die Parteiführung auf Schadensbegrenzung und Machterhalt setzte. Zusätzlich werden Fragen nach dem Einfluss rechtsradikaler Netzwerke auf die Partei sowie die Mobilisierungspotenziale im Kontext der kommenden Landtagswahlen immer deutlicher.
Weitere Hintergründe zur Dynamik zwischen AfD sowie rechtsextremen Vordenkern und zur Kontroverse über patriotische Strategien finden sich u.a. bei der taz, Spiegel Online und FAZ, die auch aktuelle Reaktionen anderer Parteien und zivilgesellschaftlicher Akteure beleuchten.